In dieser Rubrik stellen wir Ihnen regelmäßig neue "Köpfe der Logistik" vor:

Prof. Dr. Hanno Friedrich
Assistent Professor Freight Transportation, Kühne Logistics University – The KLU

 

Wann/wo wurden Sie geboren?

Am 30.12.1977 in Rheinfelden (Baden), das liegt im Süden Deutschlands an der Grenze zur Schweiz.

Wie sah Ihr bisheriger Ausbildungsweg aus?

Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen am KIT (früher TU Karlsruhe) studiert und dort zum Thema Güterverkehr promoviert. Ich war vor und nach meiner Promotion bei der Unternehmensberatung McKinsey & Company tätig, habe mich dann aber für eine wissenschaftliche Karriere entschieden und 2011 eine Juniorprofessur an der TU Darmstadt zum Thema Wirtschaftsverkehr angenommen. Ende 2015 wechselte ich auf eine (Assistant) Professur an die KLU in Hamburg.

Wie sind Sie dazu gekommen, in der Logistik zu arbeiten? Bzw. Was verbindet Sie beruflich mit der Logistik?

Aus wissenschaftlicher Sicht komme ich aus dem Bereich Verkehrsplanung und speziell der Modellierung der Güterverkehrsnachfrage. Ich versuche in meiner Forschung die Entstehung von Güterverkehr besser zu verstehen. Dafür untersuche ich logistische Aktivitäten und die dahinter liegende sektorale Nachfrage. In einem Forschungsprojekt ist daraus beispielsweise ein sehr detailliertes Modell der Lebensmittelversorgung in Deutschland entstanden.
In meiner Zeit in der Unternehmensberatung war ich vor allem in Projekten zum Thema IT Management bei Handels- und Logistikunternehmen aktiv. Ich habe dabei sehr viel zum Thema Nutzen durch IT Systeme gearbeitet, heute würde man sagen zu den Chancen der Digitalisierung.
In letzter Zeit beschäftige ich mich sehr stark mit dem Thema Startups in der Logistik, da kommen diese beiden Perspektiven zusammen. Man muss den Markt und die Nachfrage verstehen, um die Chancen neuer Startups einzuschätzen.

Was gefällt Ihnen an der Logistik und Ihrer derzeitigen Tätigkeit am besten?

Mir gefallen die vielen möglichen Sichtweisen und die Interdisziplinarität. Ich arbeite mit Forschern aus sehr unterschiedlichen Disziplinen zusammen um Logistik, deren Nachfrage und Auswirkungen, zu verstehen. Am Beispiel meiner Forschung zur Lebensmittelversorgung wird das klar: Wir arbeiten mit Raumplanern an dem Thema, ob sich Hamburg mit regionalen Lebensmitteln versorgen ließe; wir schätzen mit Hilfe mathematischer Modellierung ab, wie viele Lebensmittelbestände in Regionen existieren; oder versuchen mit Risikoforschern den EHEC-Ausbruch zurückzuverfolgen.

Was ist das Besondere am Logistikstandort Hamburg?

Hamburg ist offensichtlich der wichtigste deutsche Logistikstandort. Viele Logistik- und Handelsunternehmen sind hier aktiv, daher ist die Stadt ideal für Forscher, die diesen Sektor untersuchen wollen. Außerdem sind auch viele wissenschaftliche Einrichtungen hier, die sich mit Logistik beschäftigen. Für mich ist natürlich die KLU besonders wichtig, die sich als wissenschaftliche Hochschule auf Logistik fokussiert.

Warum engagieren Sie sich in der LIHH?

Für mich als „Zugereistem“ ist die LIHH eine Möglichkeit mit Hamburger Akteuren in der Logistik in Kontakt zu kommen und deren Herausforderungen besser zu verstehen. Daraus bekomme ich Anregungen für meine Forschung – beispielsweise welche Chancen für Innovationen und Startups existieren.

Was war Ihr persönlich bisher größtes Highlight im Netzwerk der LIHH?

Ein Logistik-Frühstück, bei dem ein Unternehmensgründer über seine Insolvenz berichtete. Daraus konnte man mehr lernen, als aus jeder angeblichen Erfolgsgeschichte.

 

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