13.09.2021

Logistikindikator – Erholungskurs lässt nach

In der deutschen Logistikwirtschaft herrschte im dritten Quartal 2021 ein sehr mildes Geschäftsklima. Der entsprechende Indikator gab im August im Gegensatz zu den Vormonaten zwar etwas nach, notierte aber weiterhin bei sehr guten 106,4 Punkten. Dies geht aus den monatlichen Erhebungen zum Logistik-Indikator hervor, die das ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. (BVL) im Rahmen seiner Konjunkturumfragen durchführt. Der Rückgang war vor allem auf die weniger zuversichtlichen Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Die derzeitige Geschäftslage hingegen wurde abermals günstig beurteilt.

Ergebnisse der ifo Konjunkturumfragen im 3. Quartal 2021

Die Logistikdienstleister zeigten sich deutlich zufriedener mit ihren laufenden Geschäften. Die Nachfrage nahm erheblich an Schwung auf und auch die Auftragsbücher füllten sich sichtlich. Die Aussichten auf das kommende halbe Jahr blieben von Optimismus geprägt, jedoch etwas seltener als zuletzt. Für das Geschäftsklima im dritten Quartal 2021 resultierte daraus eine erneute Verbesserung.

In Handel und Industrie waren die befragten Akteure einerseits ausgesprochen zufrieden mit dem aktuellen Geschäftsverlauf, andererseits breitete sich mit Blick auf die künftigen Monate Skepsis aus. Die Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen stellte die Teilnehmenden vor große Herausforderungen, denn auch die Lagerbestände reduzierten sich ausgesprochen stark. Ebenso bereiteten die steigenden Infektionszahlen – besonders dem Handel – Sorge. Trotzdem stieg der Geschäftsklimaindikator aufgrund der starken Aufwärtsbewegung der Lagekomponente im Berichtsquartal geringfügig an.

Nachdem die Coronakrise die Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn noch um 2,0% schrumpfen ließ, erholte sich die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2021 allmählich. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 1,6%1 gegenüber dem ersten Quartal 2021 und lag damit nur noch um 3,3% unter seinem Vorkrisenniveau vom vierten Quartal 2019. Bedingt durch die Lockerungen und dem damit einhergehenden Herauffahren des öffentlichen Lebens gewann die Nachfrage erheblich an Dynamik: Vor allem die privaten Konsumausgaben legten mit einem Plus von 3,2%2 im Vergleich zu erstem Quartal kräftig zu, wovon neben dem Handel auch viele Dienstleister aus den Bereichen Freizeit, Unterhaltung, Kultur, Beherbergung und Gastronomie profitierten.

Die steigende wirtschaftliche Aktivität spiegelte sich auch in einem deutlichen Abbau der Kurzarbeit wider. So dürfte nach Schätzungen des ifo Instituts die Anzahl der kurzarbeitenden Beschäftigten zwischen Mai und August um 70%, von knapp 2,3 Millionen auf 688 000, zurückgefahren worden sein. Überdurchschnittlich kräftig waren die Rückgänge in den Bereichen, die unmittelbar vom Abflauen der Coronakrise profitierten. So sank die Zahl der Kurzarbeiter im Einzelhandel im selben Zeitraum um 88% (von gut 300 000 auf nur noch 36 000) und im Gastgewerbe um 79% (von knapp 500 000 auf 107 000).

Deutlich langsamer hingegen verlief der Abbau der Kurzarbeit im Verarbeitenden Gewerbe (-56%, von 424 000 auf 187 000). Zwar stiegen dort die Auftragseingänge seit nunmehr über einem Jahr fast ununterbrochen; aufgrund zunehmender Engpässe bei der Lieferung von Vorprodukten mussten die Industrieunternehmen allerdings im zweiten Quartal ihre Produktion drosseln. Während im Januar noch 18% der vom ifo Institut befragten Unternehmen angaben, in ihrer Produktion infolge mangelnder Rohstoffe und Vormaterialien behindert zu sein, waren es im August bereits 70% und damit so viele wie nie zuvor seit 1991. Durch fehlende Mikrochips zeigten sich die Automobilbranche und die Hersteller elektrischer Ausrüstungen am stärksten betroffen, bei der Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren bereitete der starke Preisanstieg für Kunststoff-Granulate große Sorgen.

Auch die Indikatoren des Statistischen Bundesamtes zur Messung der wirtschaftlichen Aktivität anhand der Verkehrsleistung bilden diese Entwicklungen ab: Der Transportindex, welcher den Straßen-, Schienen-, Luftverkehr wie die Binnenschifffahrt gesamtheitlich abbildet, stagnierte seit März und ging im Juli sogar leicht zurück. Die Daten des täglich aktualisierten LKW-Maut-Fahrleistungsindex zeigen zudem, dass sich der Rückgang der LKW-Fahrleistung im August fortsetzte, was im Zusammenhang mit der Beschaffungsproblematik stehen dürfte.

Insgesamt konnte sich die deutsche Wirtschaft somit im Laufe des Jahres von den Auswirkungen der Coronakrise erholen. In der zweiten Jahreshälfte sehen sich jedoch viele Unternehmen wachsenden Problemen ausgesetzt: Mit Ende des Sommers zeigen sich besonders das Gastgewerbes und die Tourismusbranche hinsichtlich steigender Infektionszahlen und stagnierender Impfquoten besorgt. Im Großhandel und der Industrie befürchtet man anhaltende Lieferengpässen sowie steigende Preise. Die vorliegenden Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sie die Wirtschaftsleistung im Herbst wohl nur in geringerem Maße zunehmen wird.

Hier finden Sie zusätzlich den vollständigen Kommentar vom BVL-Vorstandsvorsitzenden Prof. Thomas Wimmer sowie den Chartsatz mit Kurvenverlauf und Einzelergebnissen.

Über den Logistik-Indikator

Der Logistik-Indikator wird vom ifo Institut im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V. berechnet. Er geht aus den monatlichen Konjunkturumfragen für den Zeitraum ab 2015 hervor. Zur Ermittlung des Indikators werden mehr als 4.000 Antworten von Anbietern von Logistikleistungen (60% Güterverkehr (ohne Luftfracht); 40% Speditionen und Logistik) bzw. von Unternehmen aus den Bereichen des Verarbeitenden Gewerbes (66%) und des Handels (Großhandel: 17%; Einzelhandel: 17%) als Anwender von Logistikleistungen herangezogen. Der Gesamtindikator wird zu gleichen Teilen aus den Ergebnissen der Anbieter und der Anwender berechnet. Das Fragendesign zielt auf die konjunkturelle Beurteilung der aktuellen Geschäftssituation, den Entwicklungen in den letzten Monaten und den Erwartungen in den kommenden Monaten ab. In der Regel stehen den Befragungsteilnehmern je Frage drei Antwortalternativen zur Wahl, die sich jeweils als positiv-expansiv, durchschnittlich-neutral und negativ-kontraktiv kennzeichnen lassen. Aus den Prozentanteilen positiv-expansiver und negativ-kontraktiver Antworten wird ein Saldo gebildet. Entsprechend kann der Saldo Werte zwischen -100 (alle Unternehmen haben eine negativ-kontraktive Antwort gegeben) und +100 (alle Unternehmen haben eine positiv-expansive Antwort gegeben) annehmen. Bei einem Saldenwert von 0 halten sich negative und positive Antworten die Waage. Sämtliche Fragen beziehen sich auf eine jahreszeitlich übliche Einschätzung. Zusätzlich werden alle berichteten Zahlen mit einem statistischen Standardverfahren zur Saisonbereinigung (X13-ARIMASEATS) von dem verbleibenden saisonalen Muster bereinigt. Zur Berechnung der Indexwerte des Geschäftsklimas und der beiden Komponenten Geschäftslage und Erwartungen werden die Salden jeweils um 200 erhöht und auf den Durchschnitt eines Basisjahres (derzeit 2015) normiert.

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Preis-, saison- und kalenderbereinigt

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