Ende August endete das EU-Projekt DECARBOMILE. Im Rahmen des Projekts wurde in Hamburg untersucht, wie die vorhandenen Wasserwege künftig stärker für logistische Zwecke genutzt und damit neue Potenziale für einen nachhaltigeren Gütertransport erschlossen werden können. Unser Ziel war es zu prüfen, ob sich durch den multimodalen Einsatz eines emissionsarmen Schiffes in Kombination mit Lastenrädern, Emissionen und Verkehrsstau auf den Straßen minimieren lassen.
Für die Umsetzung des geplanten Anwendungsfalls, waren viele Kommunikationsmaßnahmen und Austausch mit den verschiedenen Stakeholdern nötig, da der Transport von zeitkritischen Gütern auf dem Wasser einige Herausforderungen, unter anderem durch die Tideanhängigkeit auf der Elbe, mit sich bringt.
Die gesamten Erkenntnisse, Herausforderungen, Methodiken und praktischen Tipps wurden in allen vier europäischen Reallaboren (Nantes, Hamburg, Logroño und Istanbul) während der Projektlaufzeit gesammelt. Damit diese im Projekt gewonnenen Erkenntnisse auch weiterhin nutzbar sind, entwickelten unsere Projektpartner Copenhagen Business School (CBS) und die Technische Universität Hamburg (TUHH) den DECARBOMILE Replication Guide. Dieser Leitfaden bietet eine umfassende Übersicht zur Umsetzung nachhaltiger Logistiklösungen für die „Letzte Meile“ und gibt praktische Empfehlungen an die Hand.
Nachdem der Leitfaden zunächst einen Einblick in die verschiedenen Projektphasen gibt, widmet er sich im nächsten Schritt der Frage, wie konkrete Anwendungsfälle umgesetzt und präsentiert werden können. Dabei liefert er hilfreiche Tipps sowie Informationen, um eine erfolgreiche Umsetzung der Anwendungsfälle zu fördern.
Bevor man an der Umsetzung einer innovativen Lösung auf der „Letzten Meile“ arbeitet, sollte man sich zunächst einen klaren Überblick über die lokalen Gegebenheiten verschaffen:
- Welche Lösungen existieren bereits vor Ort und werden erfolgreich eingesetzt?
- Auf welche Infrastruktur, regulatorische Bedingungen und Engpässe trifft man?
- Welche Herausforderungen könnten auftreten?
- Welche Stakeholder sind entscheidend und wie bezieht Entscheidungsträger mit ein?
Diese und weitere Fragen geben Richtlinien an denen man sich orientieren kann.
Stakeholder
Insbesondere das Stakeholder-Engagement und die Ansprache der Entscheidungsträger vor Ort sind zentrale Bausteine, die über den Erfolg einer Umsetzung entscheiden können. Zu Beginn sollte daher betrachtet werden, wer die relevanten Stakeholder sind, welche Rolle sie innerhalb der Umsetzung einnehmen und welchen Einfluss sie auf das Vorhaben haben. Auf dieser Grundlage lässt sich ihre Relevanz für das Vorhaben bewerten und eine entsprechende Priorisierung vornehmen. Die Stakeholder sollten frühzeitig in die Kommunikation und Lösungsfindung einbezogen werden und ausreichend Raum für Austausch erhalten. Dies erleichtert häufig den Umsetzungsprozess und kann für den Erfolg entscheidend sein. In Hamburg hatten wir diesbezüglich ein leichtes Spiel, da alle beteiligten Akteure unserer Vorhaben, die Wasserwege wieder stärker in den Fokus zu rücken, positiv gegenüberstanden. Dadurch konnten wir bei Problemen, beispielsweise mit Anlegestellen, schnell und lösungsorientiert handeln und unseren Anwendungsfall stetig weiterentwickeln.
Definition der Anwendungsfälle
Der Prozess hin zu einem klar definierten Anwendungsfall verläuft selten linear und trifft häufig auf Hürden. Hier kann eine genaue Dokumentation der Herausforderungen, Sackgassen und verworfenen Ansätzen für Transparenz und eine einheitliche Kommunikation sorgen. Dies hat uns dabei geholfen, ein gemeinsames Verständnis unter den Interessengruppen zu schaffen und dient als Grundlage für die Umsetzungsplanung, die Entwicklung von Geschäftsmodellen, die Überwachung und die Wirkungsanalyse. Ein klar identifizierter Anwendungsfall trägt außerdem dazu bei, sicherzustellen, dass die vorgeschlagenen Lösungen realistisch sind, den lokalen Bedürfnissen entsprechen und von den Organisationen unterstützt werden, die für deren Betrieb verantwortlich sind.
Was nicht nur unser Anwendungsfall in Hamburg zeigt, sondern im gesamten Projekt ersichtlich wird: Innovative nachhaltige Lösungen in der Logistik sind möglich, dabei kommt es vor allem auf die Umsetzung an. Der DECARBOMILE Replication Guide fasst die gesammelten Informationen, Herausforderungen und daraufhin entstandenen Empfehlungen zusammen. Obwohl der Leitfaden einer logischen Abfolge folgt, können Nutzer entweder den gesamten Umsetzungsweg verfolgen oder sich auf einzelne Abschnitte konzentrieren, die für ihre aktuellen Bedürfnisse am relevantesten sind.
Als Logistik-Initiative Hamburg bedanken wir uns bei allen Projektpartnern für drei intensive und lehrreiche Jahre Projektarbeit.
Mehr über das Decarbomile Projekt finden Sie hier.





