Einmal auf einer Rangierlok mitfahren. Was für viele ein Kindheitstraum ist, wurde beim Besuch bei den Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser GmbH (evb) für unsere Kollegin Jasmin Hagen Realität. Zwischen Rangierfahrten, spannenden Einblicken in den Arbeitsalltag und Gesprächen über die Zukunft des Schienengüterverkehrs wurde schnell klar: Im Hamburger Hafen bewegt sich einiges.

Wussten Sie, dass beim Rangieren von Güterwagen im Hafen eine Person ganz vorne auf dem Zug steht und gewissermaßen die Augen des Lokführers ist? Der Rangierbegleiter gibt Informationen zu Signalen weiter und weist den Lokführer beim Heranfahren an andere Wagen oder beim Zustellen der Güterwagen im Terminal ein. Dafür steht er ganz vorne auf dem vordersten Wagen auf einem Rangiertritt. Dazu gehören nicht nur ein gutes Auge, sondern auch eine gute Portion Mut.

Wie diese Arbeit aussieht und welche Herausforderungen den Schienengüterverkehr beschäftigen, wurde beim Besuch unseres Mitglieds, der evb, am Standort im Hamburger Hafen deutlich.

Zu Beginn gab Raymond Struck, Standortleiter in Hamburg, einen Einblick in die Struktur und die Arbeit der evb. Im Gespräch ging es auch um aktuelle Entwicklungen und die Herausforderungen der Branche. Danach ging es selbst auf einer Rangierlok mit. Was für viele ein Kindheitstraum ist, wurde tatsächlich wahr. Lokführer Davide und Rangierbegleiter Manuel erklärten während der Fahrt ihre Aufgaben und nahmen mit in ihren Arbeitsalltag. Dabei wurde deutlich, wie wichtig die Abstimmung zwischen beiden ist, damit die Rangierfahrten sicher ablaufen.

Besonders interessant ist, dass die tägliche Arbeit im Hafen auch Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung geben kann. Davide und Manuel beobachten schließlich regelmäßig, welche Güterwagen in den Hafen kommen und welche ihn wieder verlassen. Dabei ist ihnen aufgefallen, dass derzeit mehr leere Wagen in den Hafen hineinfahren, während die Wagen, die hinausgehen, meistens voll sind. Das könnte darauf hindeuten, dass aktuell mehr Waren importiert als exportiert werden. Eine Beobachtung aus dem Arbeitsalltag, die zeigt, wie eng die Abläufe im Hafen mit der Wirtschaft zusammenhängen.

Im Gespräch mit Raymond Struck ging es außerdem um die Rahmenbedingungen, unter denen die evb arbeitet. Der Fachkräftemangel bleibt eine Herausforderung. Es fehlt an Nachwuchs, ob als Lokführer, Rangierbegleiter oder Disponent. Hinzu kommt die Schieneninfrastruktur im Hafen, deren Ausbau hohe Investitionen erfordert, aber notwendig ist, um weiteres Wachstum zu ermöglichen. Auch die Klimaneutralität Hamburgs bis 2040 wirft Fragen auf. Für den Einsatz elektrischer Lokomotiven fehlt im Hamburger Hafen derzeit die entsprechende Infrastruktur. Gleichzeitig sind mit der Anschaffung solcher Lokomotiven hohe Investitionen für die Eisenbahnverkehrsunternehmen verbunden. Damit stellt sich nicht nur die Frage, welche Fahrzeuge künftig eingesetzt werden, sondern auch, wie die Infrastruktur mit dieser Entwicklung Schritt halten kann.

Daneben hängt die Wahl des Verkehrsträgers auch davon ab, welche Anforderungen eine Lieferung erfüllen muss. Für zeitkritische Waren eignet sich der Schienengüterverkehr nur bedingt, wenn eine Zustellung zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt gewährleistet sein muss. Anders als beim Lkw lassen sich solche Lieferungen nicht flexibel in den Betriebsablauf integrieren. Das macht deutlich, dass die Schiene zwar für viele Gütertransporte eine wichtige Rolle spielt, aber nicht für jede Anforderung gleichermaßen geeignet ist.

Wie der Betrieb organisiert ist, zeigt auch ein Blick auf die Standorte der evb: In Hamburg sind fünf Lokomotiven für Rangierarbeiten im Einsatz, während in Bremen auch Lokomotiven für den Fernverkehr eingesetzt werden. Die benötigten Güterwagen werden gemietet. Neben dem eigentlichen Transport gehören also auch die Organisation des Fahrzeugeinsatzes und die wirtschaftliche Planung zum Betrieb. Die evb deckt in Niedersachsen auf bestimmten Linien außerdem noch den Bereich des Personennahverkehrs per Bus und Bahn ab.

Der Besuch bei der evb ermöglichte einen direkten Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen des Hamburger Hafens. Besonders die Mitfahrt auf der Rangierlok und der Austausch mit Davide und Manuel zeigten, wie viel Verantwortung und Aufmerksamkeit bei jeder Rangierfahrt gefragt sind.

Ein herzliches Dankeschön an Raymond Struck für den offenen Austausch und die Einblicke in die Arbeit der evb sowie an Davide und Manuel, die auf der Rangierlok mitgenommen und ihren Arbeitsalltag nähergebracht haben!

Wer mit der EVB und anderen Bahnexpertinnen und -experten in den Austausch treten möchte, hat dazu bei unserer 10. Bahnkonferenz am 08. Dezember 2026 in Bremen die Gelegenheit. Hier finden Sie alle Infos.

Weiterempfehlen
keyboard_arrow_left Zur BLOG-Übersicht