Gute Aussicht, spannende Vorträge und jede Menge Gesprächsstoff: Bei der 41. Sitzung des Fachkreises Schiene ging es um aktuelle Herausforderungen und neue Ideen für den Schienengüterverkehr im Hamburger Hafen
Die 41. Sitzung des Fachkreises Schiene brachte wieder zahlreiche Themen rund um den Schienengüterverkehr im Hamburger Hafen zusammen. Begrüßt wurden die Teilnehmenden durch Fachkreisleiter Philipp Best. Anschließend hieß Markus Drewitz von der Hamburg Port Authority (HPA) alle Anwesenden in den Räumlichkeiten der HPA willkommen. Bei der tollen Aussicht auf das Wasser und den Hafen, die sich von dort bot, musste man sich allerdings fast fragen, ob überhaupt noch jemand den Referierenden folgen kann. Die Aufmerksamkeit war dann aber doch schnell bei den Vorträgen und den spannenden Ideen.
Eröffnet wurde der inhaltliche Teil der Sitzung durch Philipp Best und den Vortrag der Arbeitsgruppe „Optimierung Hafenprozesse“. Wie bereits bei der vergangenen Sitzung stand dabei erneut das Prozedere rund um die Jahresslot-Buchung im Mittelpunkt. Aus dem Vortrag entwickelte sich direkt ein reger Austausch unter den Teilnehmenden. Dabei wurde unter anderem der 48-Stunden-Streik und die Abfertigungsthemen in Bremerhaven angesprochen. Die proaktive Kommunikation in Hamburg wurde in diesem Zusammenhang ausdrücklich gelobt. Gleichzeitig wurde der Wunsch geäußert, eine solche Kommunikation auch in Bremerhaven zu etablieren, damit die Eisenbahnverkehrsunternehmen frühzeitig mit den notwendigen Informationen versorgt werden. Eine Herausforderung stellen hier insbesondere die Vorbereitungen für die Terminalsanierung dar. Als möglicher Ansatz wurde deshalb eine Abstimmungsrunde mit den betroffenen Parteien vorgeschlagen.
Für den nächsten Vortrag war dann schnell die volle Aufmerksamkeit der Teilnehmenden sicher: Hans-Jürgen Weidemann von der Cargo Beamer AG stellte das Unternehmen und das Konzept der „Horizontalverladung im Hafen Hamburg“ vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Kapazität der Bahnverladung in großen Containerterminals steigern lässt. Cargo Beamer verfolgt dafür einen Ansatz, bei dem Container automatisiert und parallel horizontal auf die Bahn verladen werden. Ziel ist es, den Durchsatz der Bahnverladung mindestens zu verdoppeln. Besonders spannend wird es beim Blick auf den eigentlichen Umschlag: Laut Präsentation kann ein kompletter Containerzug mit 50 40-Fuß-Containern beziehungsweise 100 TEU automatisiert umgeschlagen werden. Für den gesamten Vorgang werden rund 15 Minuten angegeben, inklusive Ein- und Ausrangieren.
Dass diese Idee nicht nur auf dem Papier existiert, wurde im Vortrag auch visuell deutlich. Videos und Animationen zeigten die Abläufe und machten das Konzept direkt greifbar. Vorgestellt wurde außerdem eine Analyse aus einem chinesischen Hafen, in der die Leistung der Cargo Beamer-Gate-Module mit der von hochmodernen automatisierten Portalkränen verglichen wurde. Dabei wurde das Zusammenspiel von Bahnverladung, automatisierten Fahrzeugen und Container-Yard betrachtet. Auch die weiteren Vorteile des Konzepts wurden vorgestellt: kurze Zug-Standzeiten, eine hohe Auslastung der Züge, wetterfeste und autonome Abläufe sowie eine positionsgenaue Übergabe an automatisierte Fahrzeuge.
Und wie sieht das Ganze konkret für Hamburg aus? Genau diese Frage sorgte im Anschluss für zahlreiche Nachfragen und eine angeregte Diskussion. Ob sich ein solches Konzept auch im Hamburger Hafen umsetzen lässt, wird sich zeigen.
Anschließend folgte die Vorstellung der „Analyse des Infrastrukturbedarfs für den Einsatz von Rangierlokomotiven mit Batterie-Oberleitungsantrieb im Hamburger Hafen“. Vorgestellt wurde die Analyse von Dr.-Ing. Andreas Gille von der Ingenieurgesellschaft für Verkehrs- und Eisenbahnwesen mbH, Eckart Freise von efRailCon und Markus Drewitz von der Hamburg Port Authority AöR. Hintergrund ist das Ziel der Stadt Hamburg, bis 2040 klimaneutral zu sein. Damit stellt sich auch für den Hafen die Frage, welchen Beitrag die Schiene leisten kann und welche Infrastruktur dafür benötigt wird. Die vorgestellte Studie setzt sich genau mit diesem Thema und der Ermöglichung einer Elektrifizierung auseinander und bildet damit einen ersten Schritt auf diesem Weg.
Danach übernahm Daniel Ceglinski von JIJ EU | JIJ GmbH das Wort. Als neues Mitglied der LIHH stellte er das Unternehmen und dessen Produkte vor. Im Mittelpunkt stand dabei ein Ansatz, der vielleicht dem ein oder anderen bereits unter dem Begriff Operations-Research bekannt ist: Probleme werden mathematisch dargestellt und auf dieser Grundlage Lösungen entwickelt. JIJ setzt diesen Ansatz nicht nur in Projekten Japan, sondern künftig auch in Deutschland ein.
Zum Abschluss der Vorträge gab Daniel Mansholt von der Bremischen Hafeneisenbahn noch ein Update zur Korridorsanierung und zum Terminalumbau in Bremerhaven.
Damit war die inhaltliche Agenda der 41. Sitzung komplett, doch der Austausch war damit noch lange nicht vorbei. Bei Snacks und Brötchen wurden die Themen der Sitzung noch einmal aufgegriffen und unter den Teilnehmenden diskutiert. Genau das macht den Fachkreis aus: Impulse setzen, aktuelle Entwicklungen teilen und anschließend gemeinsam ins Gespräch kommen.
Vielen Dank an alle Referierenden und Teilnehmenden für die spannenden Beiträge und den offenen Austausch!
Vielen Dank außerdem an Claudia Klauke, Harald Kreft und Markus Drewitz von der HPA, welche diese Sitzung durch die Bereitstellung der Location und weiterer Unterstützung möglich gemacht haben.
Zum Abschluss möchten wir noch einmal auf die 10. Bahnkonferenz am 8. Dezember in Bremen aufmerksam machen. Die Einladung folgt in Kürze.
Weitere Informationen zum FK Schiene finden Sie hier.







