MoLo Hubs ist ein EU-gefördertes transnationales Innovationsprojekt, das Mobilitätsknotenpunkte und Logistikdienstleistungen verknüpft, um die Lebensqualität in Städten zu verbessern und den Mobilitätswandel voranzutreiben. Im Rahmen des Projekts wurde am Kaltenkircher Platz in Hamburg ein sogenannter EcoHHub installiert. Doch was ist eigentlich die Idee hinter dem Konzept, wie funktioniert es genau und wie fallen die Reaktionen der Nutzenden aus? Wir haben bei der Stadtreinigung Hamburg nachgefragt.
Wie ist die Idee zum EcoHHub entstanden und welche Ziele verfolgt die Stadtreinigung Hamburg mit diesem Konzept?
Der EcoHHub wurde entwickelt, um Service- und Entsorgungsangebote der Stadtreinigung näher an die Bürgerinnen und Bürger zu bringen. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass viele Menschen wohnortnahe und flexibel nutzbare Angebote benötigen, die über die klassischen Öffnungszeiten von Recyclinghöfen hinausgehen. Gleichzeitig soll die Wiederverwendung von Gegenständen gefördert und der Weg zu einer stärker kreislauforientierten Stadt unterstützt werden.
Welche Angebote und Dienstleistungen umfasst der EcoHHub am Standort Altona (Kaltenkircher Platz), und wie unterscheidet sich das Konzept von den klassischen Recyclinghöfen?
Der EcoHHub am Kaltenkircher Platz bietet rund um die Uhr verschiedene Service-, Recycling- und Wiederverwendungsangebote. Dazu gehören:
- Ausgabe von Gelben Säcken, Biotüten, Gassibeuteln sowie weiteren Produkten der Stadtreinigung
- Verkauf von Kompost, Laubsäcken und weiteren Entsorgungsprodukten
- Ein frei zugängliches Tauschregal für Bücher, CDs, Schallplatten oder Spiele
- Abgabefächer für gut erhaltene Gegenstände wie Smartphones, Kleidung, Spielzeug oder Brillen, die anschließend über STILBRUCH weiterverwendet werden
- Sammelstellen für CDs, Korken, Druckerpatronen sowie hier auch Speiseöle und -fette; in Depotcontainern zusätzlich Alttextilien & Elektroaltgeräte
Der wesentliche Unterschied zu klassischen Recyclinghöfen liegt in der Wohnortnähe, der 24/7-Verfügbarkeit und dem Fokus auf Wiederverwendung. Während Recyclinghöfe vor allem auf die fachgerechte Entsorgung ausgerichtet sind, verbindet der EcoHHub Entsorgung, Ressourcenschonung und Wiederverwendung an einem leicht zugänglichen Standort mitten im Quartier.
Wie wurde der EcoHHub von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers angenommen, und welche Erfahrungen haben Sie hinsichtlich der Nutzung und Akzeptanz gemacht?
Die bisherigen Erfahrungen werden von der Stadtreinigung positiv bewertet. Die Eröffnung des zweiten Standorts in Altona erfolgte vor dem Hintergrund der guten Erfahrungen mit dem ersten EcoHHub in Wandsbek und innerhalb des EU-Projekts „MoLo Hubs“. Zudem wird das Angebot als Bereicherung für das Quartier beschrieben, da es praktische Entsorgungsmöglichkeiten mit Austausch- und Begegnungsmöglichkeiten verbindet. Insbesondere die Tauschregale und die Möglichkeit zur Weitergabe gebrauchsfähiger Gegenstände stoßen auf Interesse, da sie nachhaltiges Handeln im Alltag erleichtern.
Welchen konkreten Mehrwert bietet die Verknüpfung von wohnortnaher Abfallentsorgung, Kreislaufwirtschaft und Mobilitätsangeboten gegenüber einer isolierten Bereitstellung dieser Dienstleistungen?
Die Verknüpfung dieser Angebote schafft mehrere Vorteile gleichzeitig. Zum einen werden Wege reduziert, da Bürgerinnen und Bürger Entsorgung, Wiederverwendung und Mobilitätsangebote an einem Ort nutzen können. Zum anderen sinkt der Bedarf an individuellen Fahrten, beispielsweise zum Recyclinghof. Es werden Gegenstände durch Wiederverwendung länger im Nutzungskreislauf gehalten, wodurch Abfälle vermieden und Ressourcen geschont werden. Im Rahmen von MoLo Hubs wird damit gezeigt, wie urbane Mobilitätsknotenpunkte zusätzlich als Orte für nachhaltige Logistik- und Kreislaufwirtschaftslösungen genutzt werden können.
Bilder ©Stadtreinigung Hamburg
Wie bewerten Sie den bisherigen Verlauf des Hamburger Pilotprojekts, und inwieweit konnten die ursprünglichen Ziele erreicht werden?
Der bisherige Projektverlauf kann als erfolgreich bewertet werden. Die positiven Erfahrungen mit dem ersten Standort führten zur Eröffnung eines zweiten EcoHHubs in Altona. Damit konnte das Konzept aus dem Umfeld eines Recyclinghofs in ein dichter besiedeltes Wohnquartier übertragen werden. Die Ziele, Entsorgungs- und Serviceangebote näher an die Bevölkerung zu bringen, die Wiederverwendung von Produkten zu stärken und nachhaltiges Handeln im Alltag zu erleichtern, wurden nach Einschätzung der beteiligten Akteure bereits sichtbar unterstützt. Auch die weiteren Eröffnungen von Standorten zeigen, dass die Entwicklung des EcoHHub weitergeht.
Welche Weiterentwicklungen oder zusätzlichen Angebote am EcoHHub sind künftig denkbar, insbesondere mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft?
Aus Sicht der Kreislaufwirtschaft bieten EcoHHubs großes Entwicklungspotenzial. Denkbar sind beispielsweise zusätzliche Sammelsysteme für weitere Wertstoffe, erweiterte Wiederverwendungsangebote, Reparatur- und Informationsservices oder digitale Plattformen zur Vermittlung und Weitergabe gebrauchter Produkte. Ebenso könnten weitere Quartiere mit ähnlichen Standorten ausgestattet werden, um die Kreislaufwirtschaft noch stärker im Alltag der Stadtgesellschaft zu verankern. Diese Perspektiven ergeben sich aus dem grundsätzlichen Ansatz des EcoHHubs, Wiederverwendung und Ressourcenschonung möglichst niedrigschwellig zu fördern.
Welche weiteren Impulse haben Sie aus der Zusammenarbeit mit anderen europäischen Partnern im MoLo Hubs Projekt mitnehmen können?
Das MoLo Hubs-Projekt hat uns mit Partnern aus mehreren europäischen Regionen zusammengebracht, die innovative Lösungen an Mobilitätsknotenpunkten testen. Für Hamburg besteht ein wichtiger Impuls darin, Mobilität, Logistik und Kreislaufwirtschaft nicht getrennt, sondern als integrierte Systeme zu betrachten. Der Austausch mit den europäischen Partnern hat es uns ermöglicht, erfolgreiche Ansätze anderer Städte kennenzulernen, Erfahrungen zu übertragen und neue Ideen für eine nachhaltige urbane Versorgung und Entsorgung zu entwickeln.
Vielen Dank an Markus Montag und Sven Robert Ganschow von der Stadtreinigung Hamburg für die spannenden Einblicke und die erfolgreiche Zusammenarbeit im MoLo Hubs Projekt.
Das Interview ist Teil unserer LIHH-Themenreihe "Letzte-Meile-Herbst 2.0". Alle Aktivitäten und Details finden Sie hier.
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