„Freihandelsabkommen schaffen keine Vorteile per se – sie schaffen Optionen“, sagt Nicolas Urien, Head of Global Advisory bei der Customs Support Group (CSG). „Welche Unternehmen davon tatsächlich profitieren, hängt vor allem davon ab, wie schnell und konsequent sie die neuen Rahmenbedingungen operativ umsetzen. Wer Stammdaten, Klassifizierung und Nachweise im Griff hat, ist klar im Vorteil. Wer hier noch Lücken hat, wird die neuen Möglichkeiten zunächst nur eingeschränkt nutzen können.“
Nach Beobachtung von CSG zeichnet sich bereits jetzt eine Zweiteilung ab: Während einige Unternehmen ihre Warenstammdaten, Zolltarifnummern, Lieferantenerklärungen und Ursprungsnachweise gut gepflegt vorliegen haben und frühzeitig prüfen, warten andere zunächst ab. „Diese Kluft wird durch das Abkommen größer“, so Nicolas Urien. „Gut präparierte Unternehmen können mögliche Zollvorteile von Anfang an nutzen. Andere müssen zunächst die erforderlichen Daten, Nachweise und Prozesse aufbauen und verlieren in dieser Zeit wertvolle Chancen.“
Dabei bestehe ein großes Risiko, die zollrechtliche Umsetzung zu unterschätzen. „Präferenzzölle gibt es nicht auf Zuruf“, erklärt Nicolas Urien. „Sie lassen sich nur anwenden, wenn Ursprungsregeln korrekt geprüft, Nachweise belastbar dokumentiert und Daten konsistent gepflegt sind.“
Entscheidend sei daher, Zoll- und Handelsprozesse schnell und skalierbar umzusetzen. Dazu gehören aus Sicht von CSG vor allem drei Faktoren: belastbare Warenstammdaten inklusive korrekter Zolltarifierung, verlässliche Ursprungs- und Präferenznachweise sowie Transparenz über Warenflüsse, Zollkosten und Compliance-Risiken.
„Die zentrale Frage ist nicht, ob Unternehmen die Chancen des Abkommens erkennen“, sagt Nicolas Urien. „Die Frage ist, ob sie diese Chancen zollrechtlich sauber und schnell genug in der Praxis umsetzen können. Genau daran wird sich entscheiden, wer von den neuen Handelsmöglichkeiten tatsächlich profitiert.“
