An der Arbeit der Taskforce seit November 2025 beteiligten sich Vertreterinnen und Vertretern von Bund, Ländern, Eisenbahn-Bundesamt, Bundesnetzagentur, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Aufgabenträgern, Verbänden, Gewerkschaften und der DB InfraGO AG.
Heute hat die Taskforce einen Bericht mit 22Maßnahmenempfehlungen beschlossen.
Mit dem Bericht endet die Arbeit der Taskforce, sie hat ihren Auftrag erfüllt. Zugleich markiert der Bericht den Startpunkt für die Umsetzung der Maßnahmen. Die Umsetzung ist eine gemeinsame Aufgabe des gesamten Sektors.
Bundesminister Patrick Schnieder: „Mit den heute vorgestellten Maßnahmen haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein der Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene erreicht. Dafür haben wir die geballte Expertise des Sektors versammelt. Gemeinsam haben Sie insgesamt 22 konkrete Maßnahmen entwickelt, die mit pragmatischen Lösungen, wie Joker-Gleisen, Flexabfahrten und verstärkter Digitalisierung schnell für einen pünktlicheren und stabileren Bahnbetrieb sorgen sollen. Mein Dank gilt allen Beteiligten für die Bereitschaft, auch kontroverse Themen anzupacken. Jetzt kommt es auf die entschlossene Umsetzung an, damit die Verbesserungen schnellstmöglich für die Fahrgäste spürbar werden.“
Beispiele für Empfehlungen der Taskforce
Joker-Gleise für mehr Flexibilität: In hochbelasteten Bahnhöfen fehlen derzeit ausreichende Kapazitätsreserven, um auf Zugverspätungen oder andere Störungen im Betriebsablauf flexibel reagieren zu können. Abhängig von den lokalen Gegebenheiten soll das gezielte Freihalten einzelner Bahnsteiggleise diese Engpässe entschärfen. Solche „Joker-Gleise“ schaffen zusätzliche Kapazitäten für kurzfristig erforderliche dispositive Entscheidungen und tragen damit spürbar zur Verbesserung der Pünktlichkeit bei.
Flex-Abfahrten für zuverlässigere Abfahrtszeiten: Fahrgastwechsel und Zugabfertigung können heute häufig nicht rechtzeitig zur geplanten Abfahrtzeit abgeschlossen werden. Dadurch verzögert sich die Abfahrt, und Folgeverspätungen entstehen schnell. Künftig soll ein früherer Beginn der Zugabfertigung dieses Problem entschärfen. Hierzu wird die im Fahrplan ausgewiesene Abfahrtzeit gegenüber der betrieblich vorgesehenen Abfahrtzeit leicht vorgezogen (z.B. um eine Minute). Diese sog. „Flex-Abfahrten“ ermöglichen den Abbau bestehender Verspätungen und reduzieren das Risiko neuer Folgeverspätungen.
Mehr Puffer in Bahnhöfen für einen stabileren Betrieb: Personenzüge verkehren in wichtigen Bahnhöfen derzeit oft mit so geringen Abständen, dass sich bereits kleine Verspätungen eines Zugs die Pünktlichkeit von Folgezügen beeinträchtigen. Hohe Auslastung und stabile Betriebsqualität geraten dadurch in Konflikt, Verspätungen verstärken sich gegenseitig. Helfen würde ein größerer zeitlicher Abstand zwischen zwei Zugfahrten. Ab 2027 wird die DB InfraGO AG daher auf ausgewählten Strecken zielgerichtet eine verbindliche Pufferzeit einführen.
Reisendenlenker am Gleis für schnelleren Ein- und Ausstieg: Der Ein- und Ausstieg an großen Bahnhöfen dauert oft länger als vorgesehen, weil Wege und Wartepositionen der Reisenden am Bahnsteig nicht optimal gewählt werden. Dies führt regelmäßig zu verspäteten Abfahrten. Künftig sollen Reisende gezielt bei der Wahl geeigneter Wege und Wartebereiche unterstützt werden. Neben besseren Informationen am Bahnsteig zu Bahnsteigabschnitten und Wagenreihungen soll auch Personal am Gleis („Reisendenlenker“) eingesetzt werden, um den Prozess zu beschleunigen und Abfahrtsverspätungen zu reduzieren.
KI-Unterstützung in der Zugdisposition: Derzeit erfolgt die Disposition von Zügen ausschließlich durch das Personal in Stellwerken und Betriebszentralen. Die Vielzahl kurzfristiger Fahrplanänderungen führt dabei zu hohem Entscheidungsaufwand, und nicht immer können die betrieblich optimalen Lösungen gefunden werden. Künftig soll eine KI-basierte Dispositionsassistenz frühzeitig Konflikte und Engpässe in der Zugdisposition erkennen und geeignete Handlungsvorschläge unterbreiten. Dabei werden auch Vorschläge der Zugbetreiber berücksichtigt, um die Entscheidungsqualität weiter zu erhöhen.
Digitaler Befehl für kürzere Wartezeiten bei Betriebsstörungen: Bei Signal- oder Technikstörungen dürfen Triebfahrzeugführer ihre Fahrt nicht eigenständig fortsetzen, sondern benötigen einen entsprechenden Befehl. Dieser wird heute meist telefonisch übermittelt – ein zeitintensiver Prozess, der zusätzliche Verspätungen verursacht. Künftig soll die Befehlsübermittlung digital erfolgen und damit nur noch etwa halb so lange dauern. Eine flächendeckende Einführung der bereits verfügbaren Technik kann im Fernverkehr eine Pünktlichkeitsverbesserung von bis zu zwei Prozentpunkten ermöglichen.
22 kurzfristig wirksame Maßnahmen der Taskforce zuverlässige Bahn
Themenfeld: Schnelle Stabilisierung hochbelasteter Knoten
- Maßnahme 1: Entwicklung von spezifischen Instrumenten für hochbelastete Knoten – Unter anderem Nutzung eines „Joker-Gleis“
- Maßnahme 2: Pünktlichkeits- und kapazitätsorientierte Nutzungsbedingungen – Einführung von „Experimentierklauseln“ und verbindlichen Pufferzeiten
- Maßnahme 3: Flexibilisierung der Abfahrtzeiten in Fahrplan und Betrieb – Einsatz von „Flex-Abfahrten“
- Maßnahme 4: Schnellerer Ein- und Ausstieg durch „Reisendenlenker am Gleis“
Themenfeld: Verbesserungen bei der Disposition
- Maßnahme 5: Standardisierung der Dispositionskonzepte im Störungsfall – Entwicklung von „Schubladenkonzepten“
- Maßnahme 6: Ausweitung der Streckendisposition – Zugbetreuung durch „Start-Ziel-Lotsen“
- Maßnahme 7: Abschluss verbindlicher Dispositionsvereinbarungen zwischen Verkehrsunternehmen – Anwendung abgestimmter Regeln für betriebliche Konflikte
- Maßnahme 8: Vereinfachung von Regelwerken für den Eisenbahnbetrieb – Überarbeitung von drei Regelwerken bis Ende 2026
- Maßnahme 9: Verringerung der Wartezeit bei Betriebsstörungen – Flächendeckender Einsatz des „Digitalen Befehls“
- Maßnahme 10: KI-basierte Assistenz in der Zugdisposition – Frühzeitiges Erkennen und Auflösen von Konflikten
- Maßnahme 11: Gemeinsame virtuelle Betriebszentrale – Erleichterung des kontinuierlichen Informationsaustauschs
- Maßnahme 12: Konzentration der Zugverkehrssteuerung in der Fläche – Einführung Digitaler Technikzentralen - Vier Piloten bis 2027
Themenfeld: Koordinierung des Baugeschehens und schnelle Störungsbeseitigung
- Maßnahme 13: Gemeinsame Konzeption des Bauprogramms – Entwicklung von Bau-Informationsdialogen
- Maßnahme 14: Standardisierung und Digitalisierung des Betriebs während Bauarbeiten – Konsequente Nutzung von „Instandhaltungscontainern“
- Maßnahme 15: Erprobung und Einführung von effizienten und innovativen Bauverfahren
- Maßnahme 16: Schnelle Störungsbeseitigung bei Infrastruktur und Fahrzeugen – Einführung von 24-Stunden-pro Tag Notfalleinsatzteams und besserer Winterdienst
- Maßnahme 17: Beschleunigte Verfahren bei Personen und Tieren im Gleis – Reduktion von betrieblichen Auswirkungen
- Maßnahme 18: Präventive Störungsvermeidung bei Infrastruktur und Fahrzeugen – Frühzeitige Identifizierung und Vorbeugung von Störungsursachen
- Maßnahme 19: Leistungsfähige Umleiterstrecken und Ersatzverkehre
- Maßnahme 20: Digitalisierung der Planungs- und Abnahmeprozesse für Infrastruktur und Fahrzeuge – Umsetzung von Pilotprojekten
Themenfeld: Verlässliche Daten für Reisendeninformation und Betrieb
- Maßnahme 21: Verlässliche Daten für Reisende – Sicherstellung der Informationsflüsse
Maßnahme 22: Verlässliche Daten für den Betrieb – Unter anderem Vereinheitlichung von Bahnsteigdaten