03.06.2026

Häfen als Knotenpunkt für Versorgung und Sicherheit: 12. Schleswig-Holsteinischer Hafentag in Kiel sendet starkes Signal

Norddeutsche Häfen fordern im Schulterschluss stärkere Wahrnehmung auf Bundesebene – Fokus auf Versorgungssicherheit, Verteidigungsfähigkeit und Finanzierung

Der 12. Schleswig-Holsteinische Hafentag des Gesamtverbandes Schleswig-Holsteinischer Häfen e.V. (GvSH) hat mit rund 150 Teilnehmern die strategische Bedeutung der norddeutschen Häfen für Versorgungssicherheit, Verteidigungsfähigkeit und Wertschöpfung eindrucksvoll unterstrichen. Im Kreuzfahrtterminal Ostseekai in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kieldiskutierten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Hafenwirtschaft und Verbänden über die unabdingbare Zukunfts- und Leistungsfähigkeit der Häfen.

Zum Auftakt setzten Ehrengast Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, und Frank Schnabel als GvSH-Vorstandsvorsitzender sowie Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH / SCHRAMM group den Rahmen für die Veranstaltung. Günther betonte die Schlüsselrolle leistungsfähiger Hafeninfrastrukturen für Versorgung, Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas: „Wir brauchen starke Häfen. Sie sind Knotenpunkte in einem europäischen Transportnetz, Umschlagplätze, Versorgungszentren, Innovationslabore sowie Industriestandorte und haben eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der großen Aufgaben, vor denen wir gemeinsam stehen. Wenn wir wieder mehr Wettbewerbsfähigkeit wollen, unsere Verteidigungsfähigkeit stärken und unabhängiger werden wollen, brauchen wir diese starken Häfen. Dafür setzen wir uns mit unserer Landeshafenstrategie ein, und dafür werben wir im Schulterschluss mit den anderen Küstenländern auch beim Bund“, sagte Günther.

Schnabel appellierte deutlich an die Politik: „Wir erleben eine Phase wachsender geopolitischer Spannungen. Häfen spielen dabei eine Schlüsselrolle für Energieversorgung, Sicherheit und Wertschöpfung – ihre politische Wahrnehmung hinkt dieser Realität jedoch hinterher. Der Bund muss jetzt handeln und Häfen als das sehen, was sie sind: systemrelevante Infrastruktur für Industrie, Sicherheit und Versorgung. Ohne Häfen geht es nicht.“

Intensive Debatte über Versorgung, Sicherheit und Finanzierung

Die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Häfen als Knotenpunkt für Versorgung und Sicherheit“ bündelte diese Perspektiven. Hochrangige Gäste – darunter Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority, Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg, Frank Schnabel, Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer SEEHAFEN KIEL, Prof. Dr. Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft mbH und Präsident des Zentralverbands Deutscher Seehäfen (ZDS) sowie Michael Pirschel, Ministerialdirigent und Abteilungsleiter im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit,  Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein – diskutierten die Zukunftsfähigkeit der Häfen vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und zunehmender geopolitischer Spannungen.

Im Zentrum standen die zentrale Bedeutung der Häfen für die (Energie-)Versorgung, insbesondere durch LNG, und sicherheitspolitische Themen. Deutlich wurde: Häfen übernehmen hier Aufgaben von herausragender nationaler Tragweite.

Entsprechend klar wurde zum wiederholten Mal die Finanzierungsfrage adressiert. Der Investitionsbedarf für Hafeninfrastruktur, Hinterlandanbindungen sowie Energie- und Sicherheitsinfrastruktur liegt im Milliardenbereich, während die Finanzierung bislang überwiegend auf Landesebene erfolgt. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Nationalen Maritimen Konferenz, die aus Sicht der Hafenwirtschaft hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind.

Der gemeinsame Tenor: Da Häfen zentrale Funktionen für Deutschland erfüllen, müssen Investitionen in ihre Infrastruktur konsequent als gesamtstaatliche Aufgabe verstanden und vom Bund deutlich stärker getragen werden.

Michael Pirschel erläuterte die Bedeutung der Sicherstellung einer Finanzierung des Ausbaus und der Resilienz der Seehäfen für die Zukunfts- und Leistungsfähigkeit der norddeutschen Häfen: „Für den notwendigen Umbau für die vielfältigen zivilen und militärischen Nutzungen der Seehäfen benötigen wir Investitionen, deren Größenordnung die Finanzkraft der Küstenländer weit übersteigt, zumal die Investitionen in die Seehafeninfrastruktur der gesamten deutschen Wirtschaft und Gesellschaft zugutekommt." Er unterstrich seine Aussage mit dem Hinweis, dass der hohe Investitionsbedarf nicht nur Kaianlagen umfasse, sondern auch multimodale Hinterlandanbindungen, Transformation der Energieinfrastruktur, Digitalisierung, Resilienz gegen Sturmfluten/Hochwasser sowie sicherheitsrelevante Maßnahmen.

Zukunfts- und Leistungsfähigkeit der Norddeutschen Häfen: vernetzter Wirtschaftsraum im geopolitischen Umfeld

Jens Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority, betonte im Rahmen der Diskussion und in seinem Impulsvortrag die Notwendigkeit, Hafenstandorte als integrierten Wirtschafts- und Logistikraum zu denken – nicht entlang von Ländergrenzen. Schleswig-Holstein und Hamburg positionieren sich dabei bewusst im Schulterschluss, um ihre Interessen gemeinsam auf Bundesebene zu vertreten: „Leistungsfähige Häfen sind eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität, resiliente Versorgungsketten und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts. Gleichzeitig sind sie ein unverzichtbarer Baustein für das Gelingen der Energiewende. Deshalb brauchen die deutschen Häfen jetzt verlässliche Rahmenbedingungen, substanzielle Investitionen und eine moderne Infrastruktur auf Schiene, Straße und Binnenwasserstraßen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg zeigt, wie wir gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Zukunft unserer Hafenstandorte aktiv gestalten können. Unsere Arbeit hier vor Ort ist Teil globaler Lieferketten – deshalb müssen wir entschlossen handeln und die richtigen Entscheidungen treffen“, so Meier.

Das Küstenland Schleswig-Holstein nimmt dabei neben dem Hamburger Hafen als Tor zur Welt eine ebenso besondere Rolle ein: Als einziges Bundesland mit Zugang zu Nord- und Ostsee, einer vielfältigen Hafenstruktur und dem Nord-Ostsee-Kanal als international bedeutender Wasserstraße bilden die schleswig-holsteinischen Häfen eine leistungsfähige maritime Drehscheibe – angrenzend bzw. innerhalb der Hamburger Metropolregion.

Klare Botschaft: Häfen sind nationale Infrastruktur

Der Hafentag macht deutlich: Die norddeutschen Häfen sind ein zusammenhängender Energie-, Infrastruktur- und Sicherheitsraum. Sie sichern Energieimporte, ermöglichen industrielle Wertschöpfung und übernehmen zunehmend Aufgaben in sicherheitsrelevanter und militärischer Logistik.

Um diese Rolle langfristig zu sichern, braucht es klare politische Prioritätensetzung, verlässliche Rahmenbedingungen und eine strukturell verankerte Beteiligung des Bundes an der Finanzierung.

Der GvSH bekräftigt damit seine zentrale Botschaft: Leistungsfähige Häfen sind kein regionales Anliegen, sondern eine nationale Aufgabe – und ein entscheidender Faktor für Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Sicherheit.

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