Wie sieht moderne Intralogistik in der Praxis aus? Und wie können Roboter und Menschen nebeneinander effizient arbeiten? Der Fachkreis Intralogistik war am Donnerstag, 28.05.2026 bei Rhenus Warehousing Solutions SE & Co. KG zu Besuch und durfte einen Blick hinter die Kulissen werfen. In einer exklusiven Führung am Standort Neu Wulmstorf konnten die Teilnehmenden den Mischverkehr in Aktion sehen, ihre Fragen stellen und neue Erkenntnisse mitnehmen.

Der Standort in Neu Wulmstorf ist einer von 30 Gefahrstofflagern, die Rhenus betreibt. Auf 52 000 Quadratmetern wird im 3-Schicht-Betrieb rund um die Uhr gearbeitet. Wie viele Logistikdienstleister ist auch Rhenus von einer hohen Fluktuation bei den Lagerkräften betroffen. Als Reaktion darauf wurden 15 neue Kollegen eingestellt, die weder Pause noch Urlaub brauchen: autonom fahrende Gabelstapler (AGVs).
Ausgestattet mit Namen von Zeichentrickfiguren, bereichern die AGVs den Lageralltag. Die Gabelstapler sind 22 Stunden am Tag einsatzbereit, fahren selbstständig zur Ladestation und erweisen sich als äußerst effizient. Dennoch sind sie langsamer als von Menschen gefahrene Gabelstapler. Zudem braucht es pro Schicht Personal, das sich mit den Störungen der Stapler beschäftigt und die Sensoren reinigt – ein Hauptgrund, warum die Maschinen überhaupt Störungen melden.
Anfangs stießen die autonomen Fahrzeuge beim operativen Personal auf Ablehnung. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust, die verringerte Arbeitsgeschwindigkeit der Maschinen und die notwendigen Umstellungen im Lager – wie der neu eingeführte Einbahnstraßenverkehr – sorgten für erheblichen Frust. Seit der Einführung der 15 neuen Kollegen wurde jedoch kein Staplerfahrer entlassen. Der Mehrwert im operativen Alltag wurde mittlerweile erkannt und die 15 sind zu akzeptierten Teamkollegen geworden.
Das System agiert navigationsunabhängig ohne Bodenschienen oder Reflektoren. Die Kommunikation erfolgt über WLAN, während die Stellplatzprüfung (belegt/frei) per Laserschnittstelle gesteuert wird. Eine minimierte Schadensquote sowie eine tägliche Einsatzbereitschaft von 22 Stunden sichern letztlich die Rentabilität des Business Cases.
Ein Thema, das viele Teilnehmende des Fachkreises beschäftigt, wie der spannende Austausch vermuten ließ. Aufgrund des guten Überblicks, den Rhenus uns gegeben hat, sind wir gespannt, wer als Nächstes Mischverkehr in seinem Lager einführt.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Julia Kruse, Niederlassungsleitung und Geschäftsführung am Standort Hamburg, Rhenus Warehousing Solutions Deutschland, für die großartige Führung und die spannenden Einblicke in das Projekt.