10.04.2026

Hamburgs Industrie wächst – steht aber weiter unter Druck

Hamburgs Industrie wächst trotz schwieriger Rahmenbedingungen: 2025 legte der Umsatz preisbereinigt um 4,7 Prozent zu und entwickelte sich damit deutlich stärker als der Bundestrend. Mit 12,7 Prozent an der Bruttowertschöpfung und rund 132.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bleibt sie ein zentraler Pfeiler der Hamburger Wirtschaft.

Industriekoordinator Dr. Christopher Schwieger, Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation: „Hamburgs Industrie wächst gegen den Bundestrend und zeigt sich damit robust und innovationsstark – trotz hoher Energiepreise, geopolitischer Unsicherheiten, Flächenknappheit und Fachkräftemangel. Unser Ziel ist es, spürbare Verbesserungen zu schaffen und den Standort konsequent weiterzuentwickeln. Daran arbeiten wir gemeinsam mit Unternehmen, Kammern und Gewerkschaften im Rahmen des Masterplans Industrie.“

Wachstum – aber nicht in allen Bereichen

Besonders dynamisch entwickelten sich 2025 die Bereiche Reparatur und Installation von Maschinen (+20,9 Prozent), Maschinenbau (+13,7 Prozent) sowie Fahrzeugbau (+9,8 Prozent). Gleichzeitig haben einzelne andere Branchen – etwa die Grundstoffindustrie oder Teile der chemischen Industrie – erkennbar zu kämpfen. Im Maschinenbau ist das Wachstum zudem wesentlich durch Großaufträge geprägt und daher nicht durchgängig strukturell abgesichert.

Industrieflächen: knapp, aber hochproduktiv

Industrie- und Gewerbeflächen sind ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Hamburgs: Auf nur fünf Prozent der Stadtfläche wird rund ein Viertel der Bruttowertschöpfung erwirtschaftet. Gleichzeitig arbeiten etwa 20 Prozent der Beschäftigten auf diesen Flächen.

Die Verfügbarkeit geeigneter Flächen bleibt jedoch eine der größten Herausforderungen für die industrielle Entwicklung. Der Senat setzt deshalb verstärkt auf Nachverdichtung, Revitalisierung bestehender Areale und neue Nutzungskonzepte.

Transformation: Nachhaltige Energie als Standortfaktor

Die Umstellung auf eine klimaneutrale Industrie gewinnt weiter an Dynamik. Projekte wie der Hamburg Green Hydrogen Hub und das Wasserstoffindustrienetz HH-WIN schaffen die Grundlage für eine künftige Energieversorgung.

Parallel treibt Hamburg mit der Wärmeplanung 2.0 sowie gezielten Förderprogrammen die Dekarbonisierung von Industrieprozessen voran. Für viele Unternehmen bleibt die Transformation jedoch eine wirtschaftliche und technologische Herausforderung.

Genehmigungen beschleunigen, Verfahren vereinfachen

Ein zentrales Anliegen der Unternehmen bleibt die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Bei einem Praxischeck zum Bundes-Immissionsschutzgesetz haben Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Fachbehörden und Bundesministerien konkrete Maßnahmen zur Vereinfachung, Digitalisierung und besseren Koordination entwickelt. Zur Beschleunigung und Verbesserung von Baugenehmigungsverfahrenen im Gewerbebau beraten sich Senat und Bezirke in einem neuen Gesprächsformat mit Stakeholdern. Hamburg nimmt bereits eine Vorreiterrolle bei digitalen Genehmigungsverfahren ein.

Fachkräfte bleiben zentrale Herausforderung

Der Fachkräftebedarf bleibt hoch. Gleichzeitig verändert sich der Arbeitsmarkt spürbar. Mit gezielten Weiterbildungsprogrammen, der Fachkräftestrategie sowie Angeboten zur Integration internationaler Fachkräfte stärkt Hamburg die Beschäftigungsbasis der Industrie.

Innovation: Zukunftstechnologien im Fokus

Hamburg baut seine Position bei Zukunftstechnologien weiter aus. Insbesondere in den Bereichen Quantentechnologien und Künstliche Intelligenz entwickelt sich ein dynamisches Innovationsökosystem. Der Aufbau des Quantum Hub sowie die Weiterentwicklung der AI Regulatory Sandbox setzen wichtige Impulse für neue Wertschöpfung.

Masterplan Industrie: gemeinsamer Rahmen für den Standort

Die Weiterentwicklung des Industriestandorts erfolgt im engen Schulterschluss zwischen Senat, Industrie, Kammern und Gewerkschaften. Der Masterplan Industrie bildet hierfür den zentralen Rahmen und bündelt Maßnahmen in den Bereichen Flächen, Innovation, Energie, Arbeit und gesellschaftliche Akzeptanz.

Bericht des Industriekoordinators

Der Industriekoordinator berichtet seit 2021 jährlich über die Situation der Industrie in Hamburg. Als zentraler Ansprechpartner im Dialog von Industrie und Verwaltung in Hamburg bringt er die Belange der Industrieunternehmen in die gesamtstädtische Entwicklung ein. Er setzt sich für gute Rahmenbedingungen für die Hamburger Industrie ein und wird in Konfliktfällen gegebenenfalls auch vermittelnd tätig, etwa bei Genehmigungsverfahren.

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