08.04.2026

Unternehmen bündeln Kräfte für klimafreundliche Lkw-Logistik rund um den Hamburger Flughafen

Im Flughafenumfeld Hamburg/Schleswig-Holstein arbeiten Unternehmen und Akteure aus Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung am Ausbau von Ladeinfrastruktur für elektrische Lkw. Hintergrund ist der hohe Handlungsdruck: Der Verkehrssektor ist mit rund 28 Prozent der größte Verursacher von CO₂-Emissionen in Hamburg – mehr als Industrie oder private Haushalte. Zwar sind E-Lkw zunehmend wirtschaftlich einsetzbar, doch bislang fehlen geeignete Ladeoptionen. Bei einer Veranstaltung des Projekts KLIMAready am 24. März diskutierten die Beteiligten, wie der Aufbau von Ladepunkten gemeinsam vorangetrieben werden kann.

E-Lkw: Chancen und zentrale Herausforderungen

Technologische Fortschritte bei Batterien und Reichweiten von bis zu 500 Kilometern machen elektrische Lkw zunehmend attraktiv. Besonders im planbaren Verkehr mit festen Routen und Standzeiten können sie ihre Vorteile ausspielen, während Mautbefreiung sowie geringere Betriebs- und Wartungskosten ihre Wirtschaftlichkeit zusätzlich verbessern. Dem steht jedoch eine zentrale Herausforderung gegenüber: fehlende oder unzureichende Ladeinfrastruktur.

„Als Logistikunternehmen beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie sich unsere Transporte künftig klimafreundlicher organisieren lassen. Der Aufbau von Ladeinfrastruktur für elektrische Lkw ist dabei ein wichtiger Baustein. Entscheidend ist, dass Ladeinfrastruktur dort verfügbar ist, wo unsere Fahrzeuge im Einsatz sind und ihre Standzeiten und Pausen haben. Der Austausch mit anderen Unternehmen hilft, Bedarfe sichtbar zu machen und gemeinsam über praktikable Lösungen zu sprechen“, sagt Johanna Gouveia, Managerin Green Projects bei der Sovereign Speed GmbH, die an der KLIMAready-Veranstaltung teilgenommen hat.

Auch von Auftraggeberseite wächst der Druck zur Transformation. „Als Teil unserer Nachhaltigkeitsstrategie möchten wir unsere Dienstleister beim Einsatz von E-Lkw unterstützen. Eine zentrale Herausforderung im Flughafenumfeld ist dabei die bislang fehlende Ladeinfrastruktur. Eine öffentliche Lösung würde den Umstieg auf E‑Mobilität sowohl für unsere Dienstleister als auch für weitere ansässige Unternehmen deutlich erleichtern und entscheidende Hürden abbauen. Da dieses Thema für alle Neuland ist, ist der Austausch untereinander besonders wichtig, um gemeinsam nachhaltige und tragfähige Lösungen zu entwickeln“, erklärt Mareike Stobbe, Referentin Transportstrategie und Nachhaltigkeit bei der Lufthansa Technik Logistik Services GmbH, die ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm.

Kooperation als Schlüssel für Elektromobilität

Ein zentrales Ergebnis der KLIMAready-Veranstaltung: Der Aufbau von Ladeinfrastruktur für E-Lkw scheitert derzeit häufig an begrenzt vorhandenen Flächen und den notwendigen Netzanschlüssen. Im dicht genutzten Logistikraum rund um den Flughafen sind geeignete Standorte knapp. Diskutiert wurden daher auch neue Ansätze – etwa Ladepunkte in bestehenden Logistikflächen, Parkhäusern oder Lkw-Haltebuchten. Gleichzeitig sehen viele Unternehmen Potenzial in stärkerer Kooperation, etwa durch gemeinsam genutzte Ladeparks oder Plattformen, über die verfügbare Ladesäulen leichter gefunden und genutzt werden können.

„Der Umstieg auf E-Lkw ist weniger eine reine Fahrzeugfrage als eine Standort- und Infrastrukturfrage. Wenn Unternehmen Ladebedarfe bündeln und Standorte gemeinsam planen, kann der Einstieg in die Elektromobilität auch für kleinere Flotten erleichtert werden“, sagt Elisabeth Monich, Projektleitung bei KLIMAready von der Logistik-Initiative Hamburg.

Logistikstandort mit besonderer Lage

Der Standort rund um den Flughafen in Fuhlsbüttel gehört zu den wichtigen Logistik- und Gewerbestandorten im Norden der Metropolregion. Viele Unternehmen nutzen ähnliche Verkehrsachsen, Flächen und Zeitfenster, agieren bislang jedoch überwiegend einzeln.

Prognosen zeigen bereits jetzt, dass der Ladebedarf rund um den Flughafen künftig deutlich steigen wird. Durch die Lage des Flughafens an der Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein betreffen daraus entstehende Themen rund um Infrastruktur, Verkehrsströme und Energieversorgung Akteure aus beiden Bundesländern.

Nächste Schritte

Im Workshop-Teil der Veranstaltung wurden erste Handlungsfelder identifiziert, die nun in Folgeterminen gemeinsam mit Unternehmen und weiteren Akteuren vertieft werden sollen. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zu entwickeln und nächste Schritte für den Aufbau von Ladeinfrastruktur im Flughafenumfeld anzustoßen. Das Projekt KLIMAready begleitet diesen Prozess und bringt Unternehmen, Infrastrukturbetreiber sowie Akteure aus Verwaltung und Wirtschaftsförderung zusammen.

Fachliche Impulse lieferten Vorträge von Experten, darunter Marvin Coböken von der hySOLUTIONS GmbH, der über klimafreundlichen Schwerlastverkehr sowie Ziele und Prognosen sprach, Jurek Schwekendiek von der Landeskoordinierungsstelle Elektromobilität der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig‑Holstein (WTSH) über E‑Lkw-Schnellladenetz und Assetsharing, sowie Haakon Dias Hansen, Geschäftsführer der Nord‑Spedition GmbH & Co. KG, über den Weg seines Unternehmens hin zur Elektrifizierung der eigenen Flotte.

 

Über KLIMAready
KLIMAready ist ein gemeinsames Projekt von sieben Hamburger Clustern, das Organisationen dabei unterstützt, sich aktiv mit den Chancen und Herausforderungen des Klimawandels auseinanderzusetzen und daraus konkrete Maßnahmen für Energietransformation, Emissionsreduktion und Klimaresilienz abzuleiten. Ein zentrales Format sind die sogenannten Cluster‑Brücken, in denen KLIMAready Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammenbringt, um klimarelevante Fragestellungen gemeinsam zu beleuchten und kollaborative Lösungsansätze zu entwickeln, etwa beim Energy Sharing in Allermöhe oder der E‑Lkw‑Ladeinfrastruktur am Flughafen. Die Projektpartner sind: Logistik-Initiative Hamburg, Erneuerbare Energien Hamburg, Hamburg Aviation, Life Science Nord, Maritimes Cluster Norddeutschland, Food Cluster Hamburg sowie Finance City Hamburg. Das Projekt wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert und von der Freien und Hansestadt Hamburg kofinanziert. Weitere Informationen unter www.klimaready.de

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Foto: Selina Schreiber / Life Science Nord