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Das Hanse-Office ist vielen bekannt. Doch warum ist Europa eigentlich für die Logistikbranche so relevant? Und wie können Mitgliedsunternehmen der Logistik-Initiative konkret von der Arbeit des Hanse-Office profitieren? Wir haben nachgefragt bei Dr. Claus Müller, Leiter des Hanse-Office für die Freie und Hansestadt Hamburg.

Doch bevor wir thematisch einsteigen, möchten wir erst noch einmal ein paar Informationen zum Hanse-Office selbst teilen:

Das Hanse-Office ist die gemeinsame Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg sowie des Landes Schleswig-Holstein bei der Europäischen Union in Brüssel. Es wurde 1985 von Hamburg als erste Regionalvertretung bei der EU in Brüssel gegründet.

Zu den zentralen Aufgaben des Hanse-Office gehört es, frühzeitig über politische Entwicklungen, Gesetzgebungsverfahren und EU-Initiativen zu informieren. Gleichzeitig vertritt es die Interessen Hamburgs und Schleswig-Holsteins gegenüber den EU-Institutionen und ist Schaufenster beider Länder in Brüssel, unter anderem mittels Veranstaltungen, Ausstellungen und Seminaren, die die wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt Hamburgs und Schleswig- Holsteins präsentieren.

Das Hanse- Office arbeitet zudem eng mit anderen Regionalvertretungen zusammen, insbesondere auch mit denen aus dem Ostseeraum, um gemeinsame Interessen zu bündeln und die regionale Stimme in Europa zu stärken.

 

Und natürlich möchten wir auch unseren Interviewpartner, Dr. Claus Müller, kurz vorstellen:

Dr. Claus Müller ist einer der beiden gleichberechtigten Leiter des Hanse-Office in Brüssel und vertritt dort die Freie und Hansestadt Hamburg bei den europäischen Institutionen.

Er studierte Geschichte, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften und Internationale Beziehungen in Fribourg und Cambridge und trat 1993 in das Auswärtige Amt ein. Dort war er in verschiedenen Bereichen der Außenpolitik tätig und sammelte internationale Erfahrung u.a. an den deutschen Botschaften in Sarajevo und London.

Ab 2006 war er bei der Europäische Kommission tätig, bevor er 2009 die Leitung des Hanse-Office übernahm.

 

Nun aber zu eigentlichen Interview. Herr Müller, wie würden Sie die Bedeutung der europäischen Zusammenarbeit für Regionen wie Hamburg beschreiben?

Die europäische Zusammenarbeit ist für uns von zentraler Bedeutung, da sie uns Frieden und Wohlstand beschert hat. Gerade Hamburg als weltoffene bedeutende Hafen- und Handelsstadt hat in den vergangenen Jahrzehnten in besonderem Maße von den Errungenschaften der europäischen Einigung profitiert.

Darüber hinaus eröffnet der europäische Binnenmarkt vielfältige wirtschaftliche Chancen und stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region. Zugleich hat europäische Gesetzgebung unmittelbare Auswirkungen auf die regionale Politik, etwa in den Bereichen Umwelt, Verkehr oder Wettbewerb.

 

Und warum ist die europäische Ebene gerade für die Logistikbranche so entscheidend?

Die europäische Ebene ist für die Logistikbranche von großer Bedeutung, da Verkehr und Lieferketten naturgemäß grenzüberschreitend organisiert sind und auf reibungslose Abläufe zwischen verschiedenen Ländern angewiesen sind. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Binnenmarkt der Europäische Union: Der freie Warenverkehr ermöglicht Transport ohne Zölle oder aufwendige Grenzkontrollen, was Zeit und Kosten spart sowie Lieferketten effizient planbar macht.

Zugleich sorgen einheitliche europäische Vorschriften, etwa bei Verkehrsstandards, Sicherheit, Umweltauflagen und Arbeitsbedingungen, für klare Rahmenbedingungen und vereinfachen die Organisation. Darüber hinaus unterstützt die EU durch gezielte Förderprogramme Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und nachhaltige Logistik. Gerade Zukunftsthemen wie klimafreundlicher Transport oder resiliente Lieferketten lassen sich sinnvoll nur auf europäischer Ebene koordinieren.

Insgesamt schafft die europäische Zusammenarbeit damit die Grundlage für effiziente, verlässliche und wettbewerbsfähige Logistik in Europa.

 

Wie wird die Stimme Hamburgs in Brüssel eigentlich wahrgenommen?

Hamburg wird in Brüssel als fortschrittlich, europafreundlich, gut vernetzt, fachlich kompetent und sehr praxisnah wahrgenommen. Die größte Nicht-Hauptstadt der EU gilt als starker Wirtschafts-, Hafen- und Wissenschaftsstandort, weshalb seine Vertreterinnen und Vertreter in vielen EU-Diskussionen zu Verkehr, Handel, Klima und Innovation als relevante und interessante Ansprechpartner geschätzt werden.

 

In welchen Bereichen kann Hamburg besonders von europäischen Programmen oder Kooperationen profitieren?

Hamburg profitiert in vielen Bereichen von europäischen Programmen und Kooperationen. Das gilt vor allem für Verkehr und Infrastruktur, wo EU-Mittel nachhaltige Mobilität und bessere Vernetzung fördern. In der Forschung und Innovation stärken europäische Programme den Wissensaustausch und unterstützen Zukunftstechnologien.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist Klima und nachhaltige Entwicklung, etwa bei Klimaschutzmaßnahmen und der Energiewende. Auch die Wirtschaft und maritime Entwicklung profitieren, insbesondere durch die Förderung des Hafens und der Logistik. In der Stadtentwicklung und bei sozialen Projekten helfen EU-Fördermittel, Lebensqualität zu verbessern und soziale Teilhabe zu stärken.

Wie können Unternehmen aus unserem Netzwerk, der Logistik-Initiative Hamburg, konkret von der Arbeit des Hanse-Office profitieren?

Unternehmen aus dem Netzwerk der Logistik-Initiative Hamburg profitieren hauptsächlich mittelbar über den Senat von der Arbeit des Hanse-Office, aber in Ausnahmefällen auch im Direktkontakt zu spezifischen, für Hamburg insgesamt wichtigen EU-Themen, zu denen das Hanse-Office als ein Stück Hamburg in Brüssel auch die Möglichkeit bietet, Veranstaltungen zu organisieren.

Das Hanse-Office berichtet frühzeitig über EU-Regulierungen und Gesetzesvorhaben, die für die Logistikbranche relevant sind, an den Senat, für den es Kontakte zu EU-Institutionen herstellen und Themen aus der Praxis, etwa in den Bereichen nachhaltige Logistik, Digitalisierung oder Hafenentwicklung, in politische Diskussionen einbringen kann.

 

Was sollten Logistikunternehmen heute tun, um auf sich verändernde europäische Rahmenbedingungen vorbereitet zu sein?

Logistikunternehmen sollten sich heute vor allem frühzeitig und strategisch mit den Veränderungen auf europäischer Ebene auseinandersetzen. Das heißt konkret, regulatorische Entwicklungen, etwa in den Bereichen Klima, Digitalisierung und Lieferketten, kontinuierlich im Blick zu behalten und in die eigene Planung einzubeziehen.

Gleichzeitig ist es entscheidend, in zukunftsfähige Lösungen zu investieren, zum Beispiel in nachhaltige Logistik und digitale Prozesse. Auch die Nutzung europäischer Förderprogramme und Netzwerke kann dabei helfen, Innovationen voranzutreiben und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ebenso wichtig ist ein enger Austausch mit Politik und Verbänden, damit die Perspektive der Praxis frühzeitig in europäische Entscheidungen einfließen können.

 

Warum lohnt es sich für Unternehmen, sich im Rahmen der Europawochen mit Europa zu beschäftigen?

Die Europäische Union ist der größte Binnenmarkt der Welt und genau davon profitieren Unternehmen in vielfältiger Weise: Sie sichert fairen und freien Wettbewerb in ganz Europa, ermöglicht den Zugang zu einem gemeinsamen Markt mit über 400 Millionen Menschen und erleichtert es, Arbeitskräfte und Unternehmen grenzüberschreitend zusammenzubringen. Gleichzeitig sorgt die EU für weniger Bürokratie im Online-Handel und unterstützt gezielt kleine und mittlere Unternehmen sowie die Start-up-Szene.

Die Europawochen machen diese unschätzbaren Vorteile sichtbar und bieten eine gute Gelegenheit, sich intensiv mit aktuellen europapolitischen Themen auseinanderzusetzen. Unternehmen können sich dabei informieren, welche konkreten Fördermöglichkeiten, Netzwerke und Innovationsprojekte es auf EU-Ebene gibt und wie stark sie bereits vom Binnenmarkt profitieren.

Zudem bieten die Europawochen einen Rahmen, um Kontakte zu Politik, Verwaltung und anderen Unternehmen zu vertiefen und neue Kooperationen anzustoßen.

 

Welche Botschaft möchten Sie den Mitgliedern der Logistik-Initiative Hamburg mitgeben?

Europa ist kein abstrakter Rahmen, sondern ein ganz konkreter Wettbewerbs- und Gestaltungsraum für die Logistikbranche. Wer die Entwicklungen auf EU-Ebene frühzeitig versteht und nutzt, kann daraus echte Wettbewerbsvorteile ziehen.

Gerade für die Logistik gilt: abgesehen von der Handelspolitik werden Themen wie Klimaschutz, Digitalisierung und resiliente Lieferketten zunehmend in Brüssel gestaltet. Deshalb ist es entscheidend, sich einzubringen, Gelgenheiten aktiv zu ergreifen und die eigene Praxisperspektive sichtbar zu machen.

Zugleich bietet Europa enorme Möglichkeiten durch Förderprogramme, Kooperationen und den Zugang zum Binnenmarkt. Diese Potenziale gilt es konsequent zu nutzen, um die Zukunft der Logistik innovativ, nachhaltig und wettbewerbsfähig zu gestalten.

 

Dieser Beitrag ist Teil einer Beitragsreihe der Logistik-Initiative Hamburg im Rahmen der Europawochen 2026.

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