Nachdem beim vergangenen KI-DeepDive im Jahr 2025 vor allem aktuelle Entwicklungen, Trends und Potenziale von künstlicher Intelligenz im Mittelpunkt standen, wurde es bei der dritten Ausgabe deutlich konkreter: Am 28. September 2026 kamen im Digital Hub Logistics & Commerce erneut Unternehmen und Fachleute zusammen, um verschiedene Einsatzmöglichkeiten für den eigenen Unternehmensalltag genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei wurde nicht nur zugehört, sondern mitgedacht, diskutiert und ausprobiert – von digitalen Mitarbeitenden und digitalen Zwillingen über Qualitätssicherung und Augmented Reality bis hin zu Risikomanagement und LEGO® SERIOUS PLAY®.
Den Auftakt bildete ein Impuls von Amar Bolkan vom ARIC zum Thema „Von der Cloud auf den eigenen Rechner: Digitale Souveränität mit offenen KI-Modellen“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Unternehmen KI-Anwendungen unabhängiger und stärker unter eigener Kontrolle betreiben können. Dabei ging es unter anderem um offene Modelle, die Möglichkeit einer lokalen Nutzung sowie darum, welche Rolle Datenhoheit und technologische Unabhängigkeit bei der Auswahl geeigneter Lösungen spielen.
Damit war zugleich der Rahmen für den weiteren Nachmittag gesetzt: Nicht die Technologie allein, sondern ihr sinnvoller und verantwortungsvoller Einsatz im eigenen Unternehmen stand im Vordergrund. Anschließend ging es für die Teilnehmenden in drei Runden an die sechs Thementische, an denen unterschiedliche Fragestellungen vertieft und auf konkrete Unternehmenssituationen übertragen wurden.

Am Thementisch „Kollegin und Kollege KI: Faszination Künstliche Intelligenz“ gab Prof. Dr. Thomas Clemen von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Einblicke in den Einsatz von KI-Agenten im Unternehmen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Aufgaben ein solcher digitaler Kollege übernehmen kann, welche Entscheidungen er selbstständig treffen darf und an welchen Stellen weiterhin der Mensch gefragt ist.
Ausgehend von konkreten Herausforderungen aus ihrem eigenen Unternehmensalltag entwickelten die Teilnehmenden erste Ideen für einen KI-Agenten und überlegten zugleich, woran sich dessen Nutzen messen lässt. So entstanden erste Ansätze für überschaubare KI-Experimente, die sich im eigenen Unternehmen weiterverfolgen lassen.

Wie digitale Abbilder dabei helfen können, Prozesse besser zu verstehen und zu steuern, zeigte Christian Bruss vom Mittelstand-Digital Zentrum Hamburg am Thementisch „Digitaler Zwilling“. Im Fokus standen digitale Abbilder von Produktionsmitteln, Prozessen oder ganzen Unternehmen, die – verbunden mit KI – beispielsweise dabei unterstützen können, Ausfallwahrscheinlichkeiten einzuschätzen oder Produktionspläne zu verbessern.
Anhand konkreter Anwendungsbeispiele diskutierten die Teilnehmenden, wo Digitale Zwillinge im eigenen Unternehmen sinnvoll eingesetzt werden können und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.

Dass neue Lösungsansätze nicht ausschließlich am Bildschirm entstehen müssen, zeigte Florian Dörries vom Mittelstand-Digital Zentrum Hamburg mit LEGO® SERIOUS PLAY®. Mithilfe der Methode werden komplexe Fragestellungen und unterschiedliche Perspektiven sichtbar und greifbar gemacht. So können Teams gemeinsam Ideen entwickeln, Zusammenhänge besser verstehen und Lösungsansätze strukturiert erarbeiten.
Dabei blieb es nicht bei der Theorie: Die Teilnehmenden arbeiteten selbst mit den LEGO®-Modellen, setzten eigene Gedanken und Fragestellungen in konkrete Bilder um und erlebten unmittelbar, wie sich die Methode für den Austausch und die gemeinsame Lösungsfindung im Team einsetzen lässt.

Einen konkreten Einblick in den Einsatz von KI in bestehenden Produktionsprozessen gab Jan Fischer vom Mittelstand-Digital Zentrum Hamburg am Beispiel der visuellen Qualitätskontrolle. Dabei wurde deutlich, dass neben dem eigentlichen Modell vor allem eine gute Datenbasis, passende technische Schnittstellen und die Einbindung in vorhandene Abläufe entscheidend sind.
Im praktischen Teil konnten die Teilnehmenden anschließend selbst eine Bilderkennungsanwendung auf dem Smartphone ausprobieren. So wurde direkt erlebbar, wie Bilder analysiert, Merkmale erkannt und Ergebnisse zugeordnet werden – und zugleich, welche Rolle Datenqualität und unterschiedliche Rahmenbedingungen für die Zuverlässigkeit solcher Anwendungen spielen.


Mit easyARguide zeigten Dr. Roland Schröder-Kroll und Dennis Wohlers vom Mittelstand-Digital Zentrum Hamburg, wie Augmented Reality bei Lern- und Arbeitsprozessen eingesetzt werden kann. Arbeitsschritte, Anleitungen und Fachwissen können dabei so aufbereitet werden, dass sie direkt in der jeweiligen Situation verfügbar sind, zum Beispiel bei Schulungen, in der Einarbeitung oder Ausbildung.
Die Teilnehmenden konnten die Anwendung selbst ausprobieren und dabei auch eine AR-Brille aufsetzen. So wurde anschaulich, wie zusätzliche Informationen direkt in den Arbeitsablauf eingebunden werden können und wie sich Wissen auf diese Weise verständlich und unmittelbar vermitteln lässt.

Wie Sprachmodelle beim frühzeitigen Erkennen von Risiken unterstützen können, stellte Steffen Treske vom Mittelstand-Digital Zentrum vor. Anhand weltweiter Nachrichten zeigte er, wie Informationen automatisiert gefiltert, analysiert und thematisch gebündelt werden können, um Entwicklungen wie Lieferengpässe oder geopolitische Spannungen früher sichtbar zu machen. Im Zusammenspiel mit unternehmensspezifischen Daten kann daraus ein auf das jeweilige Unternehmen zugeschnittenes Frühwarnsystem entstehen.


Zum Abschluss kamen die Teilnehmenden im „Heimathafen“ wieder zusammen. Beim Get-together blieb Raum, die Eindrücke aus den verschiedenen Runden weiterzuführen, Erfahrungen aus dem eigenen Unternehmensalltag zu teilen und neue Kontakte zu knüpfen.
Gemeinsam mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Hamburg sowie dem European Digital Innovation Hub (EDIH) bot die Logistik-Initiative Hamburg damit erneut einen Rahmen für fachlichen Austausch, neue Impulse und Vernetzung rund um aktuelle digitale Anwendungen. Der KI-DeepDive III zeigte vor allem eines: Der Schritt von der Idee zur konkreten Anwendung wird leichter, wenn Wissen geteilt, Ansätze ausprobiert und Erfahrungen miteinander verbunden werden.

