Treffen sich ein Thüringer Ortsteil-Bürgermeister, das interkommunale Donaubüro und das Hamburger Logistikcluster in Berlin. Was auch der Anfang eines guten Witzes sein könnte, war diese Woche der eindrückliche Beweis, wie vielfältig, wichtig und wirkungsvoll die Interreg-B-Programme für Städte und Regionen aller Größen deutschlandweit sind.
Im Rahmen der Bundeskonferenz zur transnationalen Zusammenarbeit stellte die LIHH am 29. und 30. Juni 2026 in Berlin Erfahrungen und Ergebnisse aus ihrem EU-Projekt MoLo Hubs vor. Die vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) sowie vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ausgerichtete Konferenz brachte ein breites Spektrum an Vertretern aus der Interreg-Familie zusammen – darunter Projektakteure, Programmmanager aus Bund und Ländern, Nationale Kontaktstellen, EU-Vertreter der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments sowie weitere wichtige Akteure.
Der so ermöglichte Austausch aller sechs Interreg-B-Programme, die Deutschland tangieren, bot zudem die Gelegenheit zur Teilnahme an thematischen Foren, beispielsweise zum Thema Mobilität und Verkehr, um vertieft in die Vorteile transnationaler Kooperationen zwischen europäischen Städten und Regionen zu diskutieren.
Das Themenforum „Verkehr und Mobilität: Kooperationen für eine bessere Erreichbarkeit“ brachte dabei drei Mobilitätsprojekte mit sehr unterschiedlichem Hintergrund zusammen, die alle das gemeinsame Ziel verfolgen, Synergien zu schaffen und die multifunktionale und vielschichtige Nutzung von Infrastruktur für nachhaltigere, lebenswertere und besser erreichbare Städte und ländlichen Regionen zu fördern. Während das Projekt „Nutshell@CE“ (Interreg Mitteleuropa) die Erreichbarkeit des kleinen thüringischen Ortes Crawinkel über bestehende Gleisstrecken verbessert, indem es den schienengebundenen Güterverkehr mit dem lokalen Mobilitätsbedarf und der touristischen Erreichbarkeit verknüpft, erprobte „Active2Public Transport“ (Interreg Donau) unter anderem in Ulm und Neu-Ulm die Kombination von aktiver Mobilität wie Radfahren, Bike-Sharing & Mikromobilität mit dem öffentlichen Nahverkehr. Aus dem Projekt MoLo Hubsstellte Thomas Brauner, Leitung Projekte und Innovationsökosystem bei der LIHH, konkrete Ergebnisse aus Hamburg vor. Mit dem EcoHHub in Hamburg-Altonawurde hier erfolgreich ein zirkuläres Konzept des Recyclinghofs auf Nachbarschaftsebene erprobt. Nebenan, am gleichen Mobilitätspunkt auf dem Kaltenkircher Platz, existiert Mikrodepot für die letzte Meile, sowie Car- und Bike-Sharing-Angebote, Fahrradstellplätze und ein direkter Zugang zum ÖPNV. Wesentliche Erkenntnis aller drei Projekte war: Ob Flächenkonkurrenz in der Stadt, oder Daseinsvorsorge im ländlichen Raum, die meisten Herausforderungen in der Mobilitätswende und der städtischen Logistik lassen sich nicht allein lösen. Weder allein auf lokaler Ebene noch allein als Organisation. Sie benötigen Partnerschaften aus Verwaltung, Wirtschaft und Nutzern sowie aus ganzheitlich gedachtem ÖPNV, Individual- und Wirtschaftsverkehr. Eine Erkenntnis, die wir als Logistiknetzwerk und ÖPP nur unterstreichen können.
Ein weiterer wichtiger Erkenntnisgewinn der Konferenz war die einhellige Anerkennung aller Referenten – sei es auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene –, dass die europäischen Interreg-Programme von unschätzbarem Wert sind, um gemeinsame Herausforderungen vor Ort in Städten und Regionen anzugehen und zu lösen. Dafür braucht es auch zukünftig eine starke Regional- und Kohösionspolitik in Europa, mit Programmen wie Interreg und EFRE. Der Weg zu einem starken Interreg-Programm im kommenden mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 ist jedoch noch lang, wie aus den Beiträgen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments während der Konferenz hervorging – auch dies war eine wichtige Erkenntnis der Konferenz.
Mehr Informationen zum Projekt MoLo Hubs finden Sie hier.







