Als Partner verschiedener europäischer Projekte, die sich gezielt mit den Herausforderungen der urbanen Logistik beschäftigen, setzt sich die Logistik-Initiative Hamburg (LIHH) dafür ein, innovative Lösungen aus diesen Kooperationen zu analysieren und auf Hamburg zu übertragen. Im Rahmen des EU-Projekts People-Centric Mobility and Logistics Hubs (MoLo Hubs) nahm die LIHH Ende April 2026 an dem Partnertreffen in der norwegischen Stadt Bergen teil.
Bergen als Vorreiter der Mobilitätswende
Die Stadt Bergen ist dem Projekt Ende 2025 beigetreten, um von den bestehenden Pilotprojekten zu lernen und innovative Lösungen auf den eigenen urbanen Kontext zu übertragen. Die Stadt setzt als globales Vorbild Maßstäbe für den urbanen Wandel: Bis 2030 soll die Stadt vollständig emissionsfrei sein. Um den Individualverkehr drastisch zu senken, begreift Bergen Mobilität nicht als Insellösung, sondern als vernetztes Ökosystem und folgt dem "Avoid - Shift - Improve"-Prinzip:
- Avoid (Vermeiden): Kompakte Stadtentwicklung, um Wege kurz zu halten
- Shift (Verlagern): Massive Investitionen in Bahn, Bus und Rad
- Improve (Verbessern): Komplette Elektrifizierung des verbleibenden Verkehrs (Autos, Busse, Schiffe)
Weitere Ansätze, mit denen Bergen die urbane Zukunft neu definiert:
Mobilpunkte (Mobility Hubs): Quartiersnahe Knotenpunkte, die private Parkflächen durch geteilte Elektroautos, sichere Fahrradabstellanlagen und eine optimale Anbindung an den öffentlichen Verkehr ersetzen.
Demokratisches Laden: Innovative Ladelösungen im Straßenraum ermöglichen auch in dicht bebauten, historischen Vierteln einen einfachen Zugang zur Elektromobilität – unabhängig von privaten Garagen.
Grüne Logistik: Null-Emissions-Zonen und urbane Konsolidierungszentren reduzieren den Einsatz schwerer Lkw und setzen stattdessen auf elektrische Transporter und Lastenräder für die letzte Meile.
Unterirdische Abfallentsorgung: Ein 7,5 km langes Röhrensystem transportiert Müll mit bis zu 70 km/h unterirdisch – und macht Müllfahrzeuge auf den Straßen überflüssig.
Weltklasse-Fahrradinfrastruktur: Bergen hat in den letzten Jahren massiv in den Radverkehr investiert, um das hügelige Terrain und das regnerische Wetter als Ausreden zu eliminieren.
„Fyllingsdalstunnelen“: Dieser 2023 eröffnete, 2,9 km lange Tunnel ist der weltweit längste zweckgebundene Fahrrad- und Fußgängertunnel. Er verkürzt die Fahrzeit zwischen dem Stadtzentrum und dem Stadtteil Fyllingsdalen drastisch und ist 2026 ein zentraler Bestandteil des täglichen Pendelverkehrs.
Elektrische Fähren: Ein Großteil der lokalen Pendlerfähren wurde bereits auf Elektroantrieb umgestellt, was die Lärm- und Abgasbelastung im Hafenbecken massiv reduziert hat.
Hamburg und Bergen sind beide traditionsreiche Hansestädte mit Wasserlagen und einer historisch gewachsenen Bausubstanz. Obwohl Hamburg deutlich größer ist, kann die Elbmetropole von den radikalen und konsequenten Ansätzen in Norwegen viel lernen.
Ein besonderes Highlight war zudem der Besuch von SKUR26, Bergens erstem Wiederverwendungszentrum für Baumaterialien. Seit der Eröffnung im Februar 2026 zeigt es eindrucksvoll, wie Kreislaufwirtschaft auch im Bausektor praktisch umgesetzt werden kann. Als Ort dieses Zentrums für Kreislaufwirtschaft dient ein ehemaliger Hafenschuppen.
Das Treffen hat einmal mehr gezeigt, wie entscheidend transnationale Zusammenarbeit ist, um gemeinsame Herausforderungen in der urbanen Mobilität zu bewältigen und nachhaltige Logistiklösungen voranzubringen.
Die LIHH erarbeitet im Rahmen des Projektes u.a. ein Whitepaper zum Thema „Logistical processes & supply chain – Implementation & Scale-Up“ um den Weg von der Pilotphase zur flächendeckenden Skalierung aufzuzeigen. Im Fokus steht die Betreiberperspektive: Wie lassen sich Logistikprozesse in Shared Mobility Hubs mit Logistikdienstleistungen effizient integrieren und so betreiben, dass sie für Logistikdienstleister maximal effizient nutzbar sind? Der Bericht dient als praxisnaher Leitfaden für Projektpartner und Regionen, um identifizierte Bedarfe in skalierbare Lösungen zu überführen und die Logistik der Zukunft aktiv zu gestalten und wird in Kürze veröffentlicht.
Darüber hinaus agiert die LIHH als Netzwerkpartner und in der Funktion der Projektleitung und koordiniert das Projekt hauptsächlich in Bezug auf Projektmanagement, -berichterstattung und -kommunikation. Darüber hinaus ist die LIHH in alle Arbeitspakete involviert, die sich mit dem übergreifenden Schwerpunktthema der Betreiber, den Logistikprozessen und Lieferketten sowie der aktiven Einbindung und Vernetzung von Stakeholdern befassen.









