Wie kann der städtische Lieferverkehr effizienter, klimafreundlicher und gleichzeitig praxistauglich gestaltet werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmenden der 9. Sitzung des Fachkreises Urbaner Lieferverkehr Ende Mai in Hamburg. Im Mittelpunkt stand insbesondere der Zwischenbericht zur Hamburger Strategie für die Letzte Meile sowie der gemeinsame Austausch zu zukünftigen Maßnahmen und Herausforderungen der urbanen Logistik.

Bei der 9. Sitzung des Fachkreises Urbaner Lieferverkehr in Hamburg standen aktuelle Entwicklungen und Zwischenergebnisse rund um die urbane Logistik und die „Strategie Letzte Meile“ im Mittelpunkt. Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft und Projekten diskutierten dabei sowohl praktische Erfahrungen aus laufenden Pilotvorhaben als auch zukünftige Handlungsbedarfe für einen effizienteren und klimafreundlicheren Lieferverkehr.

Sophronius Schalies von der Logistik-Initiative Hamburg stellte zunächst das europäische Forschungsprojekt DECARBOMILE vor. Ziel des Projekts ist es, die letzte Meile im Lieferverkehr durch innovative und emissionsärmere Transportlösungen zu dekarbonisieren. In Hamburg wurde dafür ein Modell getestet, bei dem Pakete zunächst per elektrisch betriebenem Boot transportiert und anschließend per Lastenrad ausgeliefert werden. Während der sechs­wöchigen Testphase konnten wichtige Erkenntnisse zur Nutzung der Hamburger Wasserwege für logistische Zwecke gesammelt werden. Die Nutzung der Hamburger Wasserwege für den urbanen Lieferverkehr ist dabei Teil der Hamburger „Strategie Letzte Meile“.

Im weiteren Verlauf wurde dann der Zwischenbericht für die „Strategie Letzte Meile“ von Nadja Hammami und Fanny Krause von der BWAI vorgestellt. Die Strategie verfolgt seit 2020 das Ziel, Lieferverkehre effizienter, emissionsärmer und stadtverträglicher zu gestalten. Insgesamt wurden seitdem rund 40 Maßnahmen, Projekte und Initiativen umgesetzt oder angestoßen. Dazu zählen unter anderem Pilotprojekte, die Einrichtung von Austauschformaten zwischen Verwaltung und Wirtschaft sowie infrastrukturelle Vorbereitungen für alternative Lieferkonzepte.

Die Zwischenbilanz zeigt, dass insbesondere bei der Elektrifizierung von Lieferflotten Fortschritte erzielt wurden. Auch der Ausbau von Pick-up-Point-Strukturen entwickelt sich weiter. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen bei der Reduktion klassischer Lieferfahrzeuge im Straßenraum sowie beim Aufbau wirtschaftlich tragfähiger Micro-Hub-Strukturen. Hoher Flächendruck, fehlende Skalierbarkeit und unterschiedliche Interessenlagen erschweren vielerorts die Umsetzung.

Aufbauend auf den Erkenntnissen der Zwischenbilanz wurden entsprechende Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre vorgestellt. Dazu zählen unter anderem eine stärkere datenbasierte Steuerung urbaner Lieferverkehre, die gezielte Förderung wirtschaftlich tragfähiger Micro-Hub-Modelle, der Ausbau von Out-of-Home-Zustellungen sowie die weitere Unterstützung bei der Elektrifizierung von Flotten. Zudem soll die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Bezirken und Logistikakteuren weiter intensiviert werden.

Im Rahmen der Sitzung fand außerdem ein Workshop zur Weiterentwicklung der Strategie Letzte Meile statt, der von Jasmin Hagen (Logistik-Initiative Hamburg) anmoderiert wurde. Die Teilnehmenden diskutierten dabei die vorgestellten Handlungsempfehlungen hinsichtlich ihres Potenzials und ihrer praktischen Umsetzbarkeit. In Gruppenarbeiten wurden verschiedene Maßnahmen bewertet und priorisiert. Zusätzlich sammelten die Teilnehmenden weitere Ideen und Vorschläge, wie die Ziele der Freien und Hansestadt Hamburg künftig unterstützt werden können. Die Diskussionen umfassten sowohl mögliche Beiträge von Unternehmen als auch Maßnahmen der Stadtverwaltung und weiterer Institutionen. Der Workshop diente damit als praxisorientierter Austausch zwischen Verwaltung, Wirtschaft und weiteren Akteuren der urbanen Logistik und soll Impulse für die weitere Ausgestaltung der Strategie liefern.

Ergänzend präsentierte Sophronius Schalies noch die Ergebnisse einer Mitgliederumfrage in Vorbereitung auf die erste Sitzung des „Bündnis Tiefbau“. Das „Bündnis Tiefbau“ soll dazu beitragen, dass Verwaltung, Bauwirtschaft, Kammern und Unternehmen enger kooperieren und Wissen austauschen. Das „Bündnis Tiefbau“ ist dabei eine Maßnahme der „Strategie Zukunft Tiefbau“.

Viele Unternehmen sehen Baustellen und parallele Sperrungen derzeit als erhebliche Belastung für ihre logistischen Abläufe. Besonders häufig genannt wurden Staus, mangelnde Planbarkeit sowie fehlende Informationen zu parallelen Maßnahmen. Als wichtige Handlungsfelder wurden daher eine bessere Baustellenkoordination, transparentere Kommunikation und frühzeitigere Informationen identifiziert.

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