Diese Rubrik gibt Einblicke in die Welt unserer Köpfe der Logistik. Hier verraten sie uns, was sie persönlich motiviert, was sie und ihr Unternehmen in und für Hamburg bewegen und welche Ideen sie für die Logistik von morgen haben.
Prof. Dr.-Ing. Jana Jost
Leiterin des Instituts für Technische Logistik
Technische Universität Hamburg

Was macht den Logistikstandort Hamburg aus? Warum ist er gut für Sie / Ihr Unternehmen?
Hamburg bietet eine beeindruckende Vielfalt an Umgebungen für moderne Logistik- und Automatisierungstechnologien. Von der Sensorik in der freien Natur des Alten Landes über den Hafen bis zur klassischen Intralogistik mit KI-gestützter Palettenerkennung: Die Region ist ein reales Testfeld. Getragen wird dieser Standort von einem freundlichen Umfeld und einer engen, vertrauensvollen Verbindung zwischen Forschung und Industrie.
Welche Zukunftsfrage würden Sie gerne einmal an die Logistikbranche / Hamburg stellen?
Die Politik klagt über mangelnden Wissenstransfer, die Wirtschaft über Bürokratie und Fachkräftemangel. Ich frage mich: Was braucht die Industrie konkret von der Forschung, um echte Innovationen schneller auf die Straße oder in die Halle zu bringen? Und was müssen wir zusammen mit der Politik verändern? Lassen Sie uns gemeinsam Barrieren abbauen, Synergien nutzen und die Logistik von morgen pragmatisch sowie zukunftsfähig gestalten.
Was ist das Besondere an Ihren derzeitigen Aufgaben?
Als Institutsleiterin begeistert mich die enorme Spannweite: Von der Lehre, in der wir junge Talente für Logistik und Robotik gewinnen, bis zu Industrieprojekten, bei denen der Mensch im Mittelpunkt der Technologieentwicklung steht. Mein Team ist interdisziplinär und international. Dieser tägliche Austausch – lokal in Hamburg sowie global über Netzwerke wie das Robotics Institute Germany (RIG) – macht die Aufgabe einzigartig.
Thema Arbeitgeberattraktivität, wo sind Ihre Stärken?
Neben flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice-Optionen liegt unsere größte Stärke in der Gestaltungsfreiheit. Bei uns kann sich jede und jeder verwirklichen. Die Logistik ist extrem vielseitig und genau das spiegelt sich in unseren Themen wider. Wir bieten sinnstiftende Arbeit an den Technologien von morgen, ein wertschätzendes Miteinander und den Raum, eigene Ideen von der Wissenschaft in die Praxis umzusetzen.
Was ist die größte Herausforderung in den kommenden Monaten? Und wie werden Sie diese meistern?
Wir müssen die Lehre im KI-Zeitalter so anpassen, dass Studierende Tools nutzen, aber kritisch hinterfragen. Zudem kämpfen wir bei knappen öffentlichen Mitteln um Förder- und Industriebeiträge, um Top-Talente zu halten. Gleichzeitig gilt es, in der Robotik- und Logistikforschung am Puls der Zeit zu bleiben. Wir meistern das durch exzellente Forschung, enge Industriepartnerschaften und eine engagierte Nachwuchsförderung.
Was ist Ihr wichtigstes Projekt zurzeit und warum? Wie wird es Ihr Unternehmen verändern?
Ein aktuell wichtiges Projekt dreht sich um unseren humanoiden Roboter „Ada“. Uns geht es nicht um Showeffekte, sondern um echte Use-Cases für die Wirtschaft. Wir erforschen, wo humanoid gestaltete Systeme sinnvoll unterstützen können. Das Projekt verändert unser Institut, weil es modernste KI und Robotik vereint und zeigt, wie Mensch und Maschine in der Logistik der Zukunft nachhaltig zusammenarbeiten.
Was macht aus Ihrer Sicht ein gutes Netzwerk aus?
Ein gutes Netzwerk basiert auf Vertrauen, ehrlichem Wissensaustausch auf Augenhöhe und gegenseitiger Unterstützung. Es geht nicht um Visitenkartentausch, sondern darum, voneinander zu lernen. Egal ob über die Logistik-Initiative Hamburg, das RIG oder internationale Netzwerke oder Alumni-Kontakte: Netzwerke leben vom aktiven Mitmachen. Wichtig ist mir dabei besonders, auch jungen Mitarbeitenden den Zugang zu diesen Plattformen zu ebnen.
Wie lautet Ihr Lieblingszitat / Lebensmotto?
Für mich gehören zwei Haltungen zusammen. Grace Hopper warnte: „Der gefährlichste Satz ist: ‚Das haben wir schon immer so gemacht.‘“ Und Marie Curie betonte: „Man muss nichts im Leben fürchten, man muss nur alles verstehen.“ Genau das leitet uns am Institut: Wir brechen veraltete Denkmuster auf, nehmen Ängste vor KI und Robotik durch Verstehen und entwickeln mit Systemen wie unseren Robotern wie Ada mutige, menschzentrierte Lösungen für die Logistik von morgen.
Was treibt Sie an, sich in Netzwerken zu engagieren?
Alleine erreicht man wenig, gemeinsam bewegt man Welten. Die großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationen unserer Zeit können wir nur im Schulterschluss von Wissenschaft und Praxis bewältigen. Es treibt mich an, mein Wissen einzubringen, Impulse zu setzen und aktiv mitzugestalten. Denn Netzwerke schaffen die Räume, in denen aus theoretischen Ideen echte Innovationen für die Region entstehen.