Anfang April wurde Paris zum Treffpunkt europäischer Wasserstraßen-Expertinnen und -Experten: Bei dem Partnertreffen des EU-Projekts „Connected River“ kamen Projektpartner und Experten der französischen Wasserstraßenverwaltung VNF und des Hafenbetreibers HAROPA Port, sowie die "Association for international Port and Urban Partnerships" (AIVP) zu einem mehrtägigen Austausch zusammen, um gemeinsam an Lösungen für zukunftsfähige und resiliente Wasserwege zu arbeiten.
Aus Hamburg waren auch die Logistik-Initiative Hamburg, die Hamburg Port Authority und der Digital Hub Logistics & Commerce als Projektpartner eingebunden – u.a. auch mit Blick auf eine konkrete Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Hafen Hamburg.
Im Fokus des Treffens stand insbesondere die Seine als zentrale Verkehrsader im urbanen Raum. Diskutiert wurde, wie sich Nutzungskonflikte zwischen Logistik, Stadtentwicklung und ökologischen Anforderungen künftig besser ausbalancieren lassen.
Paris als Vorbild für Mobilitätswende, urbane Schifffahrt und neue Lieferkonzepte
Dass Paris als Vorreiter und Vorbild für eine konsequente Mobilitätswende steht, die die Bewohner und die Nutzer in den Mittelpunkt des Handelns stellen, ist dabei hinlänglich bekannt. Beeindruckend zu sehen war jedoch, wie durch pragmatische Lösungen die Seine als Wasserweg, Transportmodalität, Freizeitort und Ort der Stadtnatur konsequent für alle Nutzer und Anrainer mitgedacht und zugänglich gemacht wird.
Herausragende Beispiele dafür waren:
- Konzepte für räumlich und zeitlich begrenzte Nutzungen, die es ermöglichen, dass Logistik und sogar Industrie im Stadtzentrum neben Wohnen und Freizeitaktivitäten bestehen können
- Funktionierende und operative Lieferkonzepte als städtische Binnenschiffsverkehre auf der Seine, der täglich Hunderte von Lkw-Fahrten ersetzen
- eine kühne Vision vom Schwimmen in der Seine, die trotz aller Hindernisse Wirklichkeit wird, ohne den Schiffsverkehr oder andere Nutzungen zu verdrängen
- die Schaffung neuer öffentlicher Räume am Wasser für eine lebenswertere Stadt und attraktivere Uferbereiche
Einblicke in die Praxis boten Exkursionen entlang des „Canal Saint-Martin“ und dem „Bassin de la Villette“. Hier wurde deutlich, wie sich urbane Wasserlagen transformieren – hin zu multifunktionalen Räumen, die Logistik, Lebensqualität und Nachhaltigkeit miteinander verbinden. Ein weiteres Highlight war der Besuch des Lafarge-Werks am „Port de Javel Bas“. Das moderne Betonwerk produziert an einem zentralen innerstädtischen Standort an der Seine Transportbeton für lokale Bauprojekte und nutzt den Fluss für den Materialtransport. Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie durch die Nutzung von Wasserwegen für den Materialtransport städtischer Lkw-Verkehr reduziert werden kann. Durch moderne Architektur und Umfeldgestaltung wurden gleichzeitig neue Mehrwerte für Anwohnende geschaffen. Nach Betriebsschluss des Werks ist bspw. die Kaikante für Spaziergänger, Rad- oder Laufsportler oder zum Verweilen am Wasser öffentlich zugänglich. Ganz in der Nähe versorgt zudem der Einzelhändler Franprix insgesamt 300 Geschäfte in der Pariser Innenstadt per Binnenschiff. Lediglich die Feinversorgung auf der letzten Meile von der Kaikante bis zum Ladengeschäft erfolgt auf der Straße. Erfahren Sie hier >> mehr über den Franprix service.
Solche Ansätze sind auch für Hamburg hochrelevant: Im Hafen Hamburg wird bereits intensiv daran gearbeitet, städtische Transporte stärker auf die Binnenwasserstraßen zu verlagern und so Emissionen sowie Verkehrsbelastung zu reduzieren. Projekte wie InnoWaTr oder DECARBOMILE treiben diese Entwicklung auch in Hamburg gezielt voran und stärken die Rolle der Wasserstraße als nachhaltige Logistikachse.
Bei einem Abendempfang beim niederländischen Botschafter in Paris wurde zudem die Bedeutung internationaler Partnerschaften hervorgehoben. Die anschließende Podiumsdiskussion unterstrich: Resiliente Wasserstraßen erfordern eine enge Zusammenarbeit über Ländergrenzen und Disziplinen hinweg – ein Ansatz, der auch für die Weiterentwicklung des Hafen Hamburgs zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Skalierung von Innovationen – Rolle der Logistik-Initiative Hamburg
Darüber hinaus stand das Partnertreffen ganz im Zeichen des „Up-Scalings“. Die Logistik-Initiative Hamburg übernimmt hierbei eine zentrale Rolle im Projekt: Sie koordiniert die systematische Übertragung und Integration der entwickelten digitalen und smarten Lösungen. Im Fokus stehen dabei drei Dimensionen:
- Räumliches Up-Scaling: Übertragung erfolgreicher Ansätze auf neue Regionen wie die Seine oder perspektivisch auch den Hafen Hamburg
- Funktionales Up-Scaling: Weiterentwicklung bestehender Tools für zusätzliche Anwendungsfälle
- Strukturelles Up-Scaling: Integration in bestehende logistische und urbane Systeme, um eine dauerhafte Implementierung sicherzustellen
Ziel ist es, belastbare Referenzmodelle zu schaffen, die zeigen, wie innovative Lösungen auch in unterschiedlichen geografischen und infrastrukturellen Kontexten erfolgreich umgesetzt werden können.
Blick nach vorn
Die Ergebnisse des Treffens liefern wertvolle Impulse – nicht nur für die Weiterentwicklung europäischer Wasserstraßen, sondern auch für die strategische Ausrichtung des Hafen Hamburgs hin zu mehr Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Resilienz.
Vom 17.-18. November 2026 wird die Logistik-Initiative Hamburg gemeinsam mit der HPA und dem Digital Hub Logistics & Commerce in Hamburg das Abschluss-Event des Connected River-Projekts ausrichten. Merken Sie sich diesen Termin schon jetzt vor und folgen Sie dem Projekt auf LinkedIn >>, um keine Updates oder den Anmeldestart zu dem Event zu verpassen.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier >>.








