Wie gelingt die Lieferlogistik der Zukunft in der Hamburger Innenstadt? - Eine Fachrunde aus Logistik, Handel, Verwaltung und Stadtentwicklung hat zentrale Herausforderungen der letzten Meile diskutiert, von steigenden Liefermengen über Flächenkonkurrenz bis zu innovativen Lösungen wie Micro-Hubs, smarten Ladezonen und emissionsfreien Zustellungen. Die Ergebnisse zeigen konkrete Wege auf, wie Hamburg seine urbane Logistik effizienter, klimafreundlicher und kooperativer gestalten kann.
Im November 2024 diskutierten Expertinnen und Experten aus Logistik, Handel, Verwaltung und Stadtentwicklung in der Fachrunde „Logistik Innenstadt“ zentrale Fragestellungen der letzten-Meile-Belieferung in Hamburg. Die Fachrunden wurden dabei von der Innenstadtkoordination Hamburg initiiert. Themen waren wachsende Liefermengen, enge Zeitfenster, Flächenkonkurrenz und mögliche innovative Infrastruktur- und Regulierungsmaßnahmen.
Strategie für die letzte Meile
Hamburg verfolgt seit 2021 mit der „Strategie für die Letzte Meile“ das Ziel, CO₂-Emissionen im KEP-Verkehr bis 2030 um 40 % zu senken und die Verkehrsbelastung zu reduzieren. Kernpunkte sind alternative Transportmittel, Micro-Hubs, Pick-up-Points, emissionsfreie Lieferungen und digitale Tools wie smarte Lade- und Lieferzonen. Pilotprojekte liefern praxisnahe Erkenntnisse, während für den Handel quartiersabhängige Anforderungen zentral bleiben. Kooperationen zwischen Handel, Logistik und Verwaltung gelten als entscheidend, um Prozesse zu bündeln und Emissionen zu reduzieren.
Organisation der Warenübergabe
Die Fachrunde zeigte, dass hohe Liefermengen, enge Zeitfenster und knappe Flächen effiziente Übergaben erschweren. Mikro-Hubs können zur Entlastung der Innenstädte beitragen, eignen sich allerdings nicht für alle Anwendungsfälle. Andere Unternehmen setzen beispielsweise auf elektrische Lieferfahrzeuge und Packstationen. White-Label-Hubs, gemeinsame Locker-Systeme, digitale Abstimmung oder geteilte Lagerflächen werden als mögliche Lösungsansätze gesehen. Flexible Lieferfenster, automatisierte Warenschleusen und smarte Ladezonen können zusätzliche Entlastung schaffen, erfordern aber abgestimmte Abläufe und Flächenmanagement.
Emissionsfreie Logistik und Hubs
Micro-Hubs mit Lastenradverteilung können die Innenstadtlogistik entlasten, decken aber nur einen kleinen Teil der Liefermengen ab. Es bedarf daher auch weiterhin Makro-Hubs (auch in etwas periphererer Lage) von denen die Anlieferung beispielsweise per elektrischen Lieferfahrzeugen erfolgen kann. Flächenverfügbarkeit im innerstädtischen Bereich bleibt der zentrale Engpass. Potenzial bieten Neubauten und Bestandsprojekte mit integrierten Logistikflächen, Lieferzonen von Kaufhäusern, Parkhäuser oder temporäre Flächen. Innovative Ansätze wie Wasserwege oder unterirdische Infrastruktur sind möglich, erfordern aber hohe Genehmigungsaufwände und sind auf ihre Wirtschaftlichkeit hin zu überprüfen.
Ausblick und Handlungsempfehlungen
Hamburg verfügt über stabile Kooperationen, Pilotprojekte und politische Grundlagen. Künftige Schritte sollen konkrete Standorte einbeziehen, ein integriertes Logistik- und Handelskonzept entwickeln und ein klar strukturiertes Handlungskonzept mit Maßnahmen, Zeitplänen und Finanzierung schaffen. Kurzfristig umsetzbare Schritte, etwa optimierte Warenannahme oder geteilte Lagerflächen, sollen sofort realisiert werden, während das Reallabor-Prinzip fortgeführt wird. Begleitende Öffentlichkeitsarbeit soll Händler und Kunden für die Vorteile nachhaltiger Logistik sensibilisieren.
Die vollständige Evaluation der Fachrunden finden Sie hier.

