Unsere beiden Projekte InnoWaTr und DECARBOMILE befinden sich auf der Zielgeraden. Entsprechend fanden in den vergangenen Wochen die Abschlussveranstaltungen beider Projekte statt. Die Events boten Projektpartnern und Externen die Gelegenheit, sich über die erzielten Ergebnisse und Erfahrungen aus den vergangenen Jahren auszutauschen und zudem die nächsten Schritte für die Zukunft zu planen.

Den Auftakt machte das Abschlussevent des Interreg North Sea Projekts InnoWaTr in der Maritime Academy Harlingen in den Niederlanden. Nach drei Jahren intensiver internationaler Zusammenarbeit blickten die Projektpartner gemeinsam auf die wichtigsten Erkenntnisse und Erfolge zurück und diskutierten die Zukunft nachhaltiger Gütertransporte auf Binnenwasserstraßen.

Im Rahmen verschiedener Pitch-Präsentationen wurde auch der Hamburger Pilot sowie die Arbeit der sogenannten Freight Flow Coalitions (FFCs) vorgestellt, die als Methode zur kollaborativen Etablierung neuer Transportströme auf Binnenwasserstraßen Kern des Projekts waren. Für die Hamburger FFC präsentierte Jasmin Hagen die Aktivitäten und Ergebnisse aus der Metropolregion Hamburg. Gemeinsam mit dem Projektpartner TOP Mehrwert-Logistik und unterstützt von der Schiffswerft von Cölln und der H. Beckröge Getränkefachgroßhandels GmbH wurde getestet, wie Bars und Restaurants entlang der Alster und ihrer Kanäle über den Wasserweg mit Getränken beliefert werden können.  Mehr über die durchgeführten Tests erfahren Sie hier.

Die Tests lieferten mehrere interessante Erkenntnisse: Die Transportzeiten auf dem Wasser erwiesen sich in vielen Fällen als kürzer als bei einer vergleichbaren Belieferung auf der Straße. Gleichzeitig zeigte sich, dass Lieferungen per Transporter insbesondere in innenstadtnahen Bereichen mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden sind. Häufig müssen Treppen oder schwer zugängliche Bereiche überwunden werden, während Lieferfahrzeuge nicht selten mit Radfahrern oder Fußgängern um den begrenzten Raum konkurrieren. Die Belieferung per Boot vermeidet viele dieser Probleme. Staus spielen keine Rolle, Straßen werden nicht zusätzlich belastet und durch den Einsatz eines vollelektrischen Bootes entstehen weder lokale Emissionen noch zusätzliche Lärmbelastungen.

Die Freight Flow Coalitions bildeten einen zentralen Baustein des InnoWaTr Projekts und können als eines der wesentlichen Alleinstellungsmerkmale des Projekts betrachtet werden. In diesen regionalen Kooperationen arbeiten beispielsweise Verlader, Häfen, Behörden, Logistikdienstleister, Technologieanbieter und Forschungseinrichtungen gemeinsam an neuen Lösungen für Gütertransporte auf Binnenwasserstraßen. Statt die Nachhaltigkeit einer Transportkette in die alleinige Verantwortung eines Transporteurs zu legen, verfolgt InnoWaTr einen kooperativen Ansatz, der auf Zusammenarbeit, Datenaustausch und gemeinsame Interessen setzt. Über insgesamt acht Freight Flow Coalitions in Europa wurden neue Wege erprobt, um Güterströme zu bündeln und die Nutzung der Binnenschifffahrt, auch in neuen Anwendungsfällen wie städtischen Lieferverkehren, zu erproben und langfristig zu stärken. Mehr über die verschiedenen FFCs lesen Sie hier.

Ein weiteres Beispiel für diesen Ansatz lieferte die Freight Flow Coalition in Bremen, die von den Projektpartnern Rhenus Partnership Hanse und Wirtschaftsverband Weser e. V. umgesetzt wurde. Dort stand die Frage im Mittelpunkt, wie eine dauerhafte und wirtschaftlich tragfähige Transportrelation auf Binnenwasserstraßen zwischen Hamburg und Bremerhaven etabliert werden kann. Ziel war es, eine umweltfreundliche Alternative zum Straßentransport zu schaffen.

Damit die gewonnenen Erkenntnisse auch nach Projektende genutzt werden können, entwickelte ein weiterer Projektpartner aus Bremen, bremenports GmbH & Co. KG, das sogenannte InnoWaTr Centre of Expertise. Dort werden die in den vergangenen drei Jahren erarbeiteten Methoden, Ergebnisse und Partnerschaften gebündelt und für zukünftige Projekte zugänglich gemacht. Das Center of Expertise dient als Wissensbasis und soll zukünftig neue regionale Initiativen zur Stärkung nachhaltiger Wasserlogistik in ganz Europa unterstützen.

Während sich InnoWaTr vor allem mit innovativen Lösungen für Binnenwasserstraßen und die Binnenschifffahrt beschäftigte, richtete das Horizon Europe Projekt DECARBOMILE den Fokus auf nachhaltige Logistiklösungen für die urbane letzte Meile. Im Hamburger Pilot wurden jedoch ebenfalls Möglichkeiten untersucht, den Wasserweg in die Lieferkette zu integrieren und so auch die vorletzte Meile nachhaltiger zu gestalten.

Die Themen Kooperation, Innovation und die praktische Erprobung neuer Logistikkonzepte, die bereits in Harlingen intensiv diskutiert wurden, standen wenige Wochen später auch beim Abschlussevent von DECARBOMILE in der europäischen Hauptstadt in Brüssel im Mittelpunkt. Dort lag der Schwerpunkt auf der Frage, wie innovative und emissionsarme Lieferkonzepte erfolgreich skaliert und auf andere Städte übertragen werden können. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Urban Logistics Innovation Day statt, der gemeinsam von ALICE und POLIS organisiert wurde. Neben den Ergebnissen von DECARBOMILE wurden dabei auch die Erkenntnisse des CIVITAS Projekts GREEN-LOG vorgestellt.

Auch der Hamburger Pilot wurde in Brüssel von präsentiert. Gemeinsam mit den Projektpartnern Deutsche Post DHL, der Technischen Universität Hamburg und der Freien und Hansestadt Hamburg wurde untersucht, wie kleine Pakete und Briefsendungen zunächst über den Wasserweg transportiert und anschließend auf der letzten Meile mit Lastenrädern zugestellt werden können. Dieser Ansatz wurde im Rahmen umfangreicher Praxistests in Hamburg erprobt. Sophronius Schalies stellte die dabei gewonnenen Erkenntnisse in Brüssel vor.

Die Tests machten deutlich, dass insbesondere die tideabhängigen Gewässer Hamburgs eine Herausforderung für zuverlässige Logistikprozesse darstellen. Da die Elbe starken natürlichen Schwankungen unterliegt, lassen sich Transportzeiten nur eingeschränkt planen. Hinzu kommen variable Wartezeiten an Schleusen, deren Verfügbarkeit nicht jederzeit gewährleistet ist. Darüber hinaus fehlt es bislang an ausreichend geeigneten Anlegepunkten, die ein effizientes Be- und Entladen von Waren ermöglichen. Mehr über den Hamburger Piloten erfahren Sie hier.

Neben Hamburg wurden auch die Ergebnisse weiterer Pilotstädte vorgestellt. Dabei standen unterschiedliche Ansätze für eine nachhaltigere urbane Logistik im Fokus, beispielsweise die Nutzung von Urban Consolidation Centers in Logroño. Mehr über die weiteren Living Labs erfahren Sie hier.

Ein besonderes Ergebnis des DECARBOMILE Projekts ist der von der Copenhagen Business School entwickelte DECARBOMILE Blueprint. Dieser fasst die Entwicklung des Projekts, die wichtigsten Maßnahmen, die Einbindung relevanter Stakeholder sowie die einzelnen Umsetzungsschritte in einer übersichtlichen und praxisnahen Form zusammen. Der Blueprint dient als Leitfaden für Städte und Regionen, die vergleichbare Konzepte zur Dekarbonisierung urbaner Logistiksysteme entwickeln und umsetzen möchten.

Die Erkenntnisse aus beiden Projekten zeigen deutlich, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit urbane Lieferverkehre über Wasserwege künftig wirtschaftlich und praxistauglich umgesetzt werden können. Besonders wichtig ist der Ausbau geeigneter Be- und Entladeinfrastrukturen entlang der Wasserwege. Ebenso müssen bestehende wasserseitige Infrastrukturen weiterentwickelt werden, beispielsweise durch eine verbesserte Schleusenverfügbarkeit oder die Sicherstellung ausreichender Fahrrinnentiefen. Darüber hinaus werden geeignete Schiffskonzepte und tragfähige Geschäftsmodelle benötigt, um entsprechende Transportlösungen dauerhaft wirtschaftlich betreiben zu können. Nicht zuletzt können regulatorische Rahmenbedingungen wie autofreie Zonen oder Zero-Emission-Zones dazu beitragen, alternative Transportformen attraktiver zu machen und den Wasserweg als nachhaltige Ergänzung zum Straßentransport stärker in den Fokus zu rücken.

Die Erfahrungen aus InnoWaTr und DECARBOMILE zeigen, dass der Wasserweg zwar kein Allheilmittel für die Herausforderungen urbaner Logistik ist, aber noch viel Potenzial bietet. Damit dieses Potenzial künftig stärker ausgeschöpft werden kann, braucht es weiterhin Kooperationen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Praxis genau jene Zusammenarbeit, die beide Projekte in den vergangenen Jahren erfolgreich vorgelebt haben.

 

Mehr über das InnoWaTr Projekt efahren Sie hier und über das Decarbomile Projekt hier

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